Klinik-Clown will den Weg durch Leid bestmöglich gestalten

Herzschlag für „Mandarine“

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Uelzen. So einen Zauberfinger hat nicht jeder. Patrick hat aber einen. Zumindest in dem Moment, in dem Klinik-Clown „Mandarine“ die blaue Sonde, die an Patricks Finger hängt und den Sauerstoff in seinem Blut misst, ihn dazu erklärt hat.

Patrick, der sieben Jahre alt ist und eine Lungenentzündung hat, nimmt mit stoischer Gelassenheit hin, dass seine etwas nervige Sonde jetzt ein Zauberfinger ist.

Mandarine ist schon seit einer viertel Stunde bei Patrick in der Kinder- und Jugendstation der Uelzener Klinik und spielt mit ihm. Gemeinsam suchen die beiden nach den Bestandteilen eines Kreisels, den Patrick dann aufziehen könnte. Als alles beisammen ist, lässt Patrick das kleine Plastikgerät kreisen. Sein Puls steigt, die Anzeige neben seinem Bett piept aufgeregt. Patrick dreht die Kreisel mit weit aufgerissenen Augen, „und der Kreisel verteilt Wünsche!“, sagt Mandarine, fröhlich, aber mit großer Ernsthaftigkeit.

Wenn Mandarine kommt, sollen Leid und Medizin vergessen sein. Mit Schlangenluftballons, Seifenblasen und kleinen Zaubertricks will Mandarine ablenken. Im orangeroten Kostüm steckt Katrin Behr, 46, verheiratet, zwei Kinder, Mitglied der „Clinic-Clowns Hannover e.V.“. Mandarine ist ihre Rolle. Die gespielte Figur, die jeden Donnerstag in die Klinik Uelzen kommt, ist etwa 30 Jahre alt und hat zwei Meerschweinchen. Dass sich manche Geschichten, die Behrs Kinder erleben, ähneln mit den Geschichten, die Mandarine von ihren Meerschweinchen erzählt, das, hofft Behr, werden ihr ihre Kinder verzeihen.

Ein Zimmer weiter liegen zwei zwölfjährige Mädchen, Nasra mit einer Platzwunde am Kopf und Lina mit Schmerzen in der Seite. Die beiden könnten schon zu alt sein, um einen Clown noch cool zu finden. Mandarine braucht eine Minute, um die beiden zum Lachen zu bringen. Ihr Koffer piepst, und sie greift zur Fernbedienung des Fernsehers, quasselt hinein wie in ein Telefon: „Aber Oma, du sollst mich doch nicht immer auf der Fernbedienung anrufen!“ Dann macht Mandarine Seifenblasen: „Ich hätte gern mal alle Seifenblasen, die ich je gemacht habe, in einem Raum“, sagt sie, „und sie dürften nicht platzen.“ Mandarine fängt eine Seifenblase ein, lässt Lina in die Faust pusten, und aus der Faust kommt ein roter Ball statt der Blase hervor. Nasra pustet drauf, und aus dem Ball werden zwei rote Bälle. Die Zwölfjährigen kichern. Nach 15 Minuten hat Nasra ihre Kopfschmerzen vergessen.

„Ein Clown schafft eine Atmosphäre, in dem einem nichts peinlich ist“, sagt Katrin Behr später, und Heidi Jellouschek, Oberärztin in der Kinder- und Jugendstation, sagt: „Man kann sich einem Clown viel rückhaltloser anvertrauen, weil er nicht Teil des medizinischen Teams ist.“ Und das klappe auch noch bei Teenagern. „Vor einem Clown muss man nicht cool sein“, so Jellouschek. Mandarine nimmt bisweilen eine Vermittlerrolle ein zwischen Medizinern und Patienten, soll aber auch vor allem den Alltag aufhellen. Und sie begleitet durch das Leid. „Ich kann das Leid nicht aus dem Leben entfernen“, sagt Behr, „aber ich kann versuchen, den Weg bestmöglich zu gestalten.“

Von Kai Hasse

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