Aus für die Herberge

Ein sauberes Bett für eine Nacht gibt es in der Herberge des Wichernhauses an der Niendorfer Straße.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. 125 Jahre gibt es die Herberge für Wanderer und obdachlose Durchreisende in Uelzen, nächste Woche will der Trägerverein Wichern-Haus diesen bemerkenswerten Geburtstag in einer kleinen Feierstunde begehen. Doch das Jubiläum leitet auch das Ende der Einrichtung ein: Denn gewissermaßen als besonderes Geburtstagsgeschenk hat die Stadt Uelzen dem Verein ihre Unterstützung zum Jahresende aufgekündigt – ab 1. Januar 2011 will die Stadt selbst eine Obdachlosenunterkunft betreiben, anstatt weiter den Trägerverein Wichern-Haus zu bezuschussen.

„Die Stadt wird eine Unterkunft im städtischen Asylantenwohnheim am Bohldamm einrichten, denn dort sind Kapazitäten freigeworden“, bestätigt Stadtsprecherin Ute Krüger auf AZ-Nachfrage. Im Wichernhaus seien die Übernachtungszahlen ständig gesunken, statt der dort zur Verfügung stehenden acht Betten würden deshalb am Bohldamm vier Betten ausreichen. „Wir sehen hier ein großes Einsparpotential“, erklärt Krüger. Außerdem könnte am Bohldamm auch für Frauen ohne festen Wohnsitz eine Übernachtungsmöglichkeit geboten werden, während man sie derzeit noch in die Obdachlosenunterkunft im Böh schicken müsse. Denn im Wichernhaus gibt es keine getrennten Sanitärräume. Konkrete Zahlen könne man noch nicht nennen, erklärt die Stadtsprecherin: „Das Konzept für die Betreuung der Durchreisenden wird derzeit verhandelt, konkrete Verträge müssen noch geschossen werden.“ Auch die städtischen Gremien müssten zunächst über die Ergebnisse informiert werden.

Für den Trägerverein Wichern-Haus ist derweil die Kündigung des Vertrages durch die Stadt ein Schock. „125 Jahre haben wir mit allen Schwierigkeiten durchgehalten, das ist der Anker unseres Hauses und zum Jubiläum bekommen wir jetzt einen solchen Brief auf den Tisch. Das ist schon sehr befremdend“, empört sich der Vorstandsvorsitzende Manfred Bahn. Ohne finanzielle Unterstützung durch die Stadt – rund 50 000 Euro im Jahr – müsse man die Herberge schließen.

Die kleine Jubiläumsfeier am 3. September in der Cafeteria will der Verein trotzdem durchführen, doch erste Konsequenzen sind bereits gezogen: Den vier Rentnern, die nachts als Aufsicht in der Obdachlosenunterkunft tätig sind, hat man zum Jahresende gekündigt.

Weitere Hintergründe lesen Sie in der Freitagausgabe der AZ.

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