Klinikum muss erneut Eingriffe verschieben / Kommunalpolitik trifft sich zu Sondersitzung mit Helios

Weiter Probleme mit OP-Besteck

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Kritischer Blick zum OP-Besteck – wie auf diesem Symbolfoto: In den Operationssälen des Uelzener Krankenhauses gibt es weiter zu wenig Reserven bei den Instrumenten.

Uelzen. Die Sorge um die Qualität der medizinischen Versorgung am Uelzener Helios-Klinikum beschäftigt jetzt auch die Kreispolitik.

Auf einer nicht öffentlichen Sondersitzung des Kreisausschusses am 3. Dezember sollen Helios-Vertreter den Kommunalpolitikern Rede und Antwort stehen.

Die AZ hatte berichtet, dass das Klinikum es seit Monaten nicht schafft, die Operationssäle mit ausreichend und sauberem Besteck zu versorgen. Hintergrund ist die Schließung der Sterilisation im Uelzener Krankenhaus aus Kostengründen. Stattdessen wurden seit Jahresanfang die Instrumente in Gifhorn aufbereitet. Doch von dort kamen immer wieder verdreckte oder unvollständige Besteck-Sets zurück – bis zu elf Prozent der sogenannten Siebe waren betroffen. Operationen mussten deshalb verschoben werden.

Das Uelzener Krankenhaus hatte zwischenzeitlich Probleme eingeräumt und die Reinigung ihrer OP-Instrumente umorganisiert. Nunmehr wird die Sterilisation in Gifhorn ausgebaut und das Besteck so lange in Hildesheim gereinigt.

Doch auch das klappt offenbar nicht reibungslos. So bestätigte Helios jetzt AZ-Recherchen, wonach Ende vergangener Woche das Einsetzen einer Knie-Prothese verschoben werden musste, weil vor OP-Beginn verschmutzte Instrumente in dem Besteckkasten entdeckt worden und eine Reserve nicht vorhanden war. Die Operation habe dann am nächsten Tag stattgefunden, erklärte Klinikumssprecher Thorsten Eckert.

Bei einem Verdacht auf Blinddarmentzündung war nach AZ-Informationen ein Patient bereits in Narkose versetzt worden, als das Fachpersonal verschmutzte Instrumente entdeckte. Der Operateur notiert auf dem Protokoll „Wartezeit 20 Min. wegen fehlerhafter Siebe“ und das Wort „Notfall“.

Unruhe gibt es derweil auch in der Helios-Klinik Wittingen. Dort wird der Küchen- und Kantinenbereich bereits zum 1. Dezember geschlossen. Den fünf Mitarbeiterinnen wurden stattdessen Stellen in Uelzen angeboten, doch nach Informationen unserer Zeitung machte nur eine Mitarbeiterin davon Gebrauch, da die anderen Betroffenen angesichts ihres Gehaltes und der Fahrtkosten das Pendeln nach Uelzen nicht als lohnend angesehen haben. Bisher wurden in Wittingen täglich bis zu 50 Mahlzeiten zubereitet. Sie sollen nun aus dem Uelzener Krankenhaus nach Wittingen gebracht werden. In Uelzen werden derzeit täglich rund 400 Essen gekocht. Die nach Wittingen gelieferten Mahlzeiten sollen dort fertig gegart werden. Laut Helios-Sprecherin Ulrike Grönefeld kommt dazu ein „modernes Verfahren“ zum Einsatz, um die Frische zu erhalten. Engpässe beim Essen soll es nicht geben: Damit auch Patienten und Mitarbeiter, die zusätzlich am Essen teilnehmen möchten und nicht vorbestellt haben, eine Mahlzeit bekommen, werden täglich zusätzliche Essen geliefert, erklärt Sprecher Thorsten Eckert.

Von Thomas Mitzlaff

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