Klinikum Uelzen: Ärzte klagen über fehlende und verdreckte Arbeitsgeräte

Instrumenten-Mangel im Operationssaal

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Im Uelzener Helios Klinikum soll es Probleme mit den OP-Instrumenten geben.

Uelzen. Der Sparzwang im Uelzener Helios-Klinikum wirkt sich offenbar mittlerweile auch auf die Arbeit in den Operationssälen aus.

Nach AZ-Recherchen mussten Operationen verlegt oder sogar verlängert werden, weil für den Eingriff notwendige Instrumenten-Sets unvollständig oder zum Teil verdreckt waren. Helios bestreitet das.

Hintergrund für die Probleme ist nach AZ-Informationen das Outsourcen der Sterilisationsabteilung. Die Instrumente werden aus Kostengründen nicht mehr vor Ort im eigenen Haus in Uelzen, sondern in Gifhorn gewaschen, sterilisiert und verpackt zurück gebracht.

Dabei kommt es offenbar immer wieder zu Engpässen. Dokumentiert sind sie unter anderem im Krankenhausinformationssystem KIS, in dem alle Papiere digital abgelegt sind. Dort vermerkte zum Beispiel der leitende Operateur zu einer Gallenblasen--OP, dass der Eingriff wegen „fehlenden Instrumentariums“ nicht während der Regelarbeitszeit, also bis etwa 16 Uhr, durchgeführt werden konnte. Da die Patientin aber unabhängig von der Uhrzeit unbedingt noch am selben Tag operiert werden sollte, wurde schließlich ein Eingriff mitten in der Nacht vorgenommen.

In einem anderen Fall dauerte ein gynäkologischer Eingriff rund sieben Stunden – als Grund für die Verzögerung gab der Operateur „Instrumente“ an.

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"Das Klinikum wird zum Skandal-Fall", meint AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff.

Ärzte berichten der AZ in vertraulichen Gesprächen, dass dies keine Einzelfälle seien. Immer wieder gäbe es Engpässe, unter anderem weil an eigentlich schon gereinigten Instrumenten noch „Reste“ der vorherigen Operation klebten. „Das ist besonders dann fatal, wenn man etwa nachts das letzte Gallensieb aufmacht und so etwas feststellen muss“, schildert einer. Wegen verdreckter Siebe habe man auch schon Operationen abbrechen oder um viele Stunden verschieben müssen.

Der AZ liegen zahlreiche Dokumente vor, die die Probleme bestätigen: „Keine OP wegen fehlender Siebe“, heißt es zum Beispiel in einem Anästhesie-Protokoll. „Wartezeit wegen fehlerhafter Instrumente“, steht in einem anderen.

Das Klinikum weist zumindest zurück, dass es Operationsabbrüche wegen verdreckter Instrumente gab: „Das ist bei uns nicht vorgefallen“, erklärt Geschäftsführer Stefan Starke. Zur Frage, ob Operationen wegen fehlender Instrumente verschoben werden mussten und um wie viele es sich handelte, äußerte sich Starke nicht.

Nur im OP-Hemd wurde eine 89-Jährige nach einem Klinikaufenthalt nach Hause gebracht.

Nicht nur bei Ärzten, auch von Patienten häufen sich derweil die Beschwerden: So schilderte eine Oldenstädterin, dass ihre 89-jährige Mutter nach einem dreitägigen Aufenthalt im Klinikum in einem am Rücken offenen OP-Hemd nach Hause gebracht worden sei, obwohl ihre Bekleidung im Klinikum vorlag. „Ich war schockiert und dachte, da muss man gegen angehen“, sagt sie. Deshalb fertigte sie unmittelbar nach der Ankunft ihrer Mutter Fotos vom Zustand der 89-Jährigen.

Das Klinikum teilt dazu auf AZ-Anfrage mit, dass dies „selbstverständlich“ so nicht üblich sei: „Unsere Patienten werden bei ihrer Entlassung in adäquater Kleidung in ihr häusliches Umfeld bzw. in andere Einrichtungen übergeleitet. Sollte dies einmal nicht der Fall gewesen sein, bedauern wir dies sehr.“

Von Thomas Mitzlaff

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