Diakonie informierte zahlreiche Zuhörer über Erfahrungen der Arbeit mit den Flüchtlingen in Uelzen

Helfer überfordern sich schnell selbst

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Zahlreiche ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Flüchtlinge, die in der Notaufnahme in den beiden Turnhallen des Lessing-Gymnasiums und der Pestalozzi-Schule untergebracht sind.

Uelzen. „Das Unterstützungspektrum ist abgespeckt, weil wir nicht wissen, ob sie bleiben werden“, informiert Tanja Klomfass von der Diakonie beim Infoabend im Martin-Luther-Haus der St. Marien-Gemeinde die zahlreich interessierten Uelzener.

In den Notunterkünften, die von der Stadt eingerichtet worden waren, warten die Flüchtlinge auf ihre Registrierung und werden danach eventuell in andere Orte gebracht.

Die Zuhörer suchten Antworten auf ihre Fragen, aber auch Anschluss an Helfergruppen, denen sie gerne ganz konkret ihre Unterstützung anbieten möchten. „Ich habe versucht, mir vorzustellen, was mir gut tun würde, wenn ich in einem fremden Land Zuflucht suche“, berichtet Klomfass von ihren Erfahrungen mit einer Flüchtlingsfamilie in ihrem Haus.

Tanja Klomfass von der Kirchensozialarbeit der Diakonie informierte zahlreiche Zuhörer über die Flüchtlingsarbeit.

Und auch ihre Zuhörer haben schon ihre eigenen Erfahrungen gemacht, wie Friederike Roes: „Ich war mit meiner Mutter zur Essenausgabe gegangen und dann stellten wir nach einigen Stunden fest, dass wir den ganzen Tag, in der Flüchtlingsunterkunft verbracht hatten.“ Die Flüchtlinge seien aufgeschlossen und neugierig auf das Leben und die Kultur, habe sie festgestellt. Viele beherrschen die englische Sprache und helfen auch gerne aus, wenn mal jemand nicht englisch sprechen kann.

„Die Flüchtlinge sind nicht mehr in Not, wenn sie bei uns ankommen und sind gut in der Lage, die vielen Unterstützungsmöglichkeiten anzunehmen, die in Uelzen bereit gehalten werden“, warnt Tanja Klomfass vor überstürzten und unüberlegten Hilfseinsätzen. „Als Sozialpädagogin konnte ich gut nachvollziehen, wie sich Helfer schnell selbst überforderten“, berichtet sie aus Gesprächen mit Menschen, denen es zunächst genau so ergangen war wie Friederike Roes, die aber dann nicht mehr innehalten konnten und erst sehr spät bemerkte, dass sie den Kontakt zu Familie und ihrem weiteren Umfeld vernachlässigt hatte. „Wir werden einen langen Atem brauchen“, erinnert Klomfass an die zum Teil langfristig angelegten Integrationsangebote, „die auch einen längeren Zeitraum von Ehrenamtlern begleitet werden können.“ Claudia Burckhardt macht auf das schwedische Modell mit einem Willkommensministerium aufmerksam, das in Form eines Patensystems den Integrationsaspekt effektiv stütze.

Von Angelika Jansen

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