„Mensch 2012“: Bärbel Jäger arbeitet ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission

Helfen, trösten und zuhören

Bärbel Jäger zeigt ehrenamtlich großes Engagement bei der Bahnhofsmission in Uelzen. Sie kümmert sich liebevoll um das Wohl der Reisenden am Bahnsteig. Fotos: Lüchow

Uelzen. Anderen helfen, trösten und zuhören ist die Hauptbeschäftigung von Bärbel Jäger. Seit viereinhalb Jahren arbeitet die 61-Jährige ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission in Uelzen. „Die Leute nehmen gerne meine Hilfe an.

Das Lächeln und der Dank, den ich dafür bekomme, entschädigen mich für alles. Manchmal bekomme ich dabei sogar eine Gänsehaut“, sagt sie. Bärbel Jäger ist eine von zehn Nominierten, die zur Wahl „Mensch 2012“ der Allgemeinen Zeitung und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen antritt.

Als sie arbeitslos wurde, bekam sie bei der Bahnhofsmission einen Aushilfsjob. Es hat ihr so gut gefallen, dass sie dabei bleiben wollte. Zu ihren Aufgaben gehört die Reisebegleitung von Menschen mit Handicap und Kindern. Bärbel Jäger ist in ganz Norddeutschland unterwegs. Kiel, Lübeck, Grevesmühlen oder Bremen sind nur einige ihrer Zielorte. Manchmal ist sie auch mehrere Tage und am Wochenende unterwegs.

Zu ihren Stammkunden gehören Bewohner der Sozialtherapeutischen Gemeinschaft Bauckhof Stütensen. Bärbel Jäger begleitet nach Möglichkeit immer dieselben Leute. Sie bekommen Zutrauen und das ist ganz wichtig, sagt sie. Lächelnd erzählt sie von einer 40-jährigen Frau, die sie alle sechs bis acht Wochen nach Hannover zu ihren Eltern begleitet. Der Ablauf der Reise sei immer der gleiche: „Erst trinken wir einen Kaffee in der Bahnhofsmission Hannover, dann kaufen wir für jeden ein Matjesbrötchen, das wir in der S-Bahn nach Steinheim, dem Wohnort der Eltern, verzehren. Auf der Rückfahrt, am Sonntag, holen mich die Eltern vom Bahnhof zum gemeinsamen Essen ab und anschließend fahren wir nach Uelzen zurück. Mitarbeiter des Bauckhofs bringen sie dann nach Stütensen zurück“.

Wenn Bärbel Jäger nicht unterwegs ist, kümmert sie sich um Menschen, die in der Uelzener Bahnhofsmission Hilfe suchen. Manche möchten nur einen heißen Kaffee oder eine Scheibe Brot. Dabei werde viel geredet, sagt sie. Aus welchem sozialen Umfeld die Leute in die Mission kommen, mache für sie keinen Unterschied. Und bei Problemen kämen sie öfter. Viel organisieren musste Bärbel Jäger kürzlich, als ein orientierungsloser Holländer in die Bahnhofsmission gebracht wurde. Sie sorgte dafür, dass er in die Psychiatrische Klinik gebracht wurde und dort übernachten konnte. Am nächsten Tag versorgte sie ihn mit Kleidung vom Tagestreff und half, ihn zurück nach Holland zu bringen.

Zum Team um Bärbel Jäger gehören die feste Mitarbeiterin Elke Holtheuer, die mobile Reisebegleiterin Nadine Buchholz (Praktikantin der Fachhochschule, Bereich Sozialpädagogik) und Stefanie Friedrich. Sie macht nach dreijähriger ehrenamtlicher Zeit hier ein Jahrespraktikum für ihr Abitur.

Bärbel Jäger ist seit 40 Jahren verheiratet, hat zwei erwachsenen Kinder und drei Enkel. Und wenn sie in der Bahnhofsmission nicht anderen Menschen hilft, nimmt sie sich Zeit für ihre Hobbys, die ihr wichtig sind und viel Freude bereiten: der große Garten und die Familie.

Von Gisela Lüchow

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