Freiberufliche Geburtshelferinnen geraten wegen Haftpflicht in Existenznot

Hebammen vor dem Aus?

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Vor allem die Vor- und Nachsorge ist für junge Familien wichtig – eine Aufgabe, die vor allem Hebammen übernehmen. Foto: dpa

Uelzen/Landkreis. Vielen freiberuflichen Hebammen droht das berufliche Aus. Zunächst weil die Prämien für die Berufshaftpflicht massiv gestiegen sind und jetzt erst recht, weil ab 2015 voraussichtlich keine Versicherung mehr eben diese Berufshaftpflicht für den Hebammenberuf anbieten will.

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Der Deutsche Hebammenverband sucht zurzeit gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium nach einer Lösung. Und auch im Landkreis Uelzen betrachten die Hebammen die Entwicklungen mit großer Sorge. Eine von ihnen ist Annika Menklein. „Es geht nicht nur darum, dass wir unseren Job verlieren“, sagt sie, „sondern Eltern verlieren auch eine wichtige Betreuung. “.

Denn Hebammen betreuen Mütter, Väter und Neugeborene nicht nur während der Geburt, sondern bereits weit im Voraus und auch noch lange danach. Wenn das Baby schreit, es mit dem Stillen nicht klappen will oder die jungen Eltern mit ihren Nerven einfach nur am Ende sind, stehen Hebammen ihnen bei. „Für viele junge Mütter sind wir ein Mutter-Ersatz“, weiß Menklein, „weil es heutzutage kaum noch Großfamilien gibt, in denen die Generationen voneinander lernen können.“ Gerade in der ländlichen Region sei die Arbeit der Hebammen nicht zu unterschätzen, sagt sie: Gebe es diesen Berufsstand eines Tages nicht mehr, müssten beunruhigte Eltern mit ihrem Kind zu Ärzten oder Kliniken fahren – und manchmal gehe es da einfach nur um „Unsicherheiten“ der jungen Mütter und Väter, „die im Krankenhaus fehl am Platze wären“. Sprich: Die Hebammen entlasten Kinderärzte und Kliniken auch in gewisser Weise.

Für Jacqueline von Ellm wäre es fatal, wenn der Hebammenberuf aussterben würde. Die junge Mutter der fast zweijährigen Mia-Charlotte hat jetzt noch Kontakt zu ihrer Hebamme. „Im Vorbereitungskursus hat sie mir die Angst genommen“, sagt die junge Frau, „und sie war auch nach der Geburt immer für uns da.“ Sollte es bald keine Hebammen mehr geben, die meistens Tag und Nacht für ihre Patientinnen da seien, stelle sich für Jacqueline ernsthaft die Frage: „Will ich dann noch ein zweites Kind kriegen...?“

Ab Sommer dieses Jahres wird die Jahresprämie für die Berufshaftpflicht 5090 Euro betragen und damit um 20 Prozent steigen. Dieser immense Anstieg sei übrigens nicht darin begründet, dass Hebammen so viele Fehler machten, betont Annika Menklein. Vielmehr sei es die Tatsache, dass es im Schadensfall eine bessere medizinische und damit auch teurere Versorgung gebe. „Was ja auch gut ist“, betont die Hebamme. Dass ihrem Berufsstand deswegen aber das Aus drohen soll, kann keine der Frauen nachvollziehen.

Von Ines Bräutigam

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