Küster Willy Strothmann über Dreck, Ausrichtung von Kameras und eine zu Herzen gehende Feier

Hausherr im Hintergrund

Die größte Trauerfeier seiner Laufbahn hat St. Mariens Küster Willy Strothmann am Donnerstag hinter sich gebracht. Gestern hatte er frei. Foto: Hasse

Uelzen. Willy Strothmann hatte gestern einen freien Freitag. Bitter nötig. Der Küster der St. -Marien-Kirche sieht müde aus. Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat er nicht geschlafen, es gab zu viel vorzubereiten für die Trauerfeier für Peter Struck.

Bänke mussten ausgebaut und zur Seite geschafft werden, Platzkarten arrangiert werden, mehrere Nebenräume des Gebäudes wurden frei geräumt, um Generalen und Admiralen Platz zu machen. Am Mittwoch war Generalprobe der Trauerfeier, Strothmanns Tag begann morgens um sechs. Abends, nachdem die Proben zu Ende waren und der NDR den Platz für seine Kameras eingerichtet hatte, musste Strothmann noch putzen. „Es war ja mieses Wetter am Mittwoch. Die Leute liefen rein und raus, und sie haben eine Menge Dreck reingeschleppt“, sagt der Küster.

Dass eine Trauerfeier überhaupt in der Marien-Kirche stattfindet, ist eine Ausnahme: „Normalerweise wird sie nur für Trauerfeiern von Bürgermeistern und Pröpsten freigegeben“, so Strothmann.

Und die Feier für Struck war „wirklich beeindruckend. Und zu Herzen gehend“, sagt der Mann. Gegen 15.15 Uhr sollen die Letzten aus der Kirche heraus gewesen sein, berichtet er. „Und bald darauf kamen dann schon die Ersten, die etwas vergessen hatten.“ Wer das war? Der Küster bleibt diskret, aber er verrät, dass es hochrangige Uelzener Politiker waren, nicht die Politprominenz aus Berlin. „Die haben ja ihre Kofferträger“, sagt Strothmann lächelnd.

Schon vor der Feier gab es viel zu klären für den Kirchendiener St. Mariens. Wer wo sitzt, legte das Protokoll des Verteidigungsministeriums fest, 400 Leute rauschten durch das Martin-Luther-Haus, Sicherheitsbeamte und Personenschützer mussten einen Platz in der Nähe ihrer Schutzbefohlenen finden, er musste Kameras einweisen, denn die Privatsphäre der Familie des Verstorbenen musste geschützt werden. Strothmann regelte das. „Das Hausrecht“, sagt er, „lag in meinen Händen.“

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Von Kai Hasse

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