Altes Rathaus: Erinnerungen und Baustellenführung

Ein Haus, das voller Geschichte(n) steckt

+
Gefördert wird der Umbau des Alten Rathauses von der Europäischen Union – Beteiligte von Stadt, Kreisvolkshochschule und Lebenshilfe verfolgen das Anbringen der EU-Plakette.

Uelzen. Die drei Fenster schräg links über dem Haupteingang, das waren seine. Otto Lukat erinnert sich ganz genau an seine Zeit im Alten Rathaus, 1980, als er am 1. Dezember seinen Dienst als Stadtrat und allgemeiner Vertreter des Stadtdirektors antrat.

Mit den drei Fenstern war er fast ein bisschen privilegiert, grinst er augenzwinkernd, denn der Stadtdirektor und die Vorzimmerdame verfügten jeweils nur über zwei Fenster.

Aus diesen Fenstern hatten Lukat und seine Kollegen einen guten Blick auf das Herz der Stadt. „Man konnte prima beobachten, was da am ‘inoffiziellen Jugendzentrum’ – dem Tchibo-Laden – vor sich ging, wenn die Jugend sich dort traf“, erinnert sich Otto Lukat, „außerdem herrschte draußen tosender Verkehr, es gab eine Ampel und Abbiegespuren von der Gudesstraße nach rechts und links – das war eine dicke, in höchstem Maße mit Verkehr belastete Situation.“

Heute geht es dort deutlich ruhiger zu – die Marktstraßen wurden verkehrsberuhigt und die Fußgängerzone entstand. Lukat, längst Bürgermeister der Stadt, ist im Februar 1997 ins neue Rathaus am Herzogenplatz umgezogen. Und von dort aus, wenn er sich ein bisschen streckt, kann er die aktuellen Bauarbeiten am Alten Rathaus von seinem modernen Amtszimmer aus mitverfolgen. Seine Amtsstube im Alten Rathaus war alles andere als modern: eine durchgesessene Sofaecke mit viel zu niedrigem Tisch, der eine unansehnliche gehämmerte Oberfläche hatte. Eine dunkelgrüne Wand hinter seinem Schreibtisch, die ein roter Wandteppich zierte, den ihm die Stadt Bad Bevensen anlässlich der 700-jährigen Stadtrechtsverleihung geschenkt hatte.

Der Sitzungssaal im ersten Stock des Alten Rathauses war nicht weniger altbacken: Stühle mit grünem Plüsch an einem großen Holztisch, aber in einer Ecke ein wunderbarer Kachelofen mit der Inschrift „Dor har ene Ul seten“ – „Da hat eine Eule gesessen“. Die Ulenköper-Sage lässt grüßen. „In dem Saal tagte der Verwaltungsausschuss“, weiß Otto Lukat, „Ratssitzungen fanden meistens in Gaststätten statt.“ Alles in allem nämlich war es im Alten Rathaus viel zu eng für größere Versammlungen.

Drei hübsche Kleinodien hat die Stadt damals beim Umzug mit ins neue Rathaus herübergerettet: eine handgemalte, mannshohe Tafel mit den Uelzener Bürgermeistern von 1250 bis 1946, das handgeschnitzte und -bemalte Stadtwappen und eine detailverliebte Stadtkarte, gemalt 1720 von Georg Utemann, die heute vor dem Bürgermeisterzimmer hängt.

Das Alte Rathaus ist heute eine Baustelle. Wie mehrfach berichtet, wird das 650 Jahre alte Gebäude – neben St. Marien das zweitälteste der Stadt – umgebaut, damit Kreisvolkshochschule und ein Café der Lebenshilfe voraussichtlich zum Jahresende dort einziehen können. Insgesamt 3,2 Millionen Euro kostet die Sanierung, 1,9 Millionen Euro davon werden aus EU-Mitteln finanziert. Unvorhersehbare Probleme in der Gründung des Gebäudes hatten zu einer enormen Verteuerung der Umbaumaßnahmen geführt.

Otto Lukat aber ist überzeugt, dass die Entscheidung des Verwaltungsausschusses, die Gelder trotzdem freizugeben, richtig war: „Auch aus Denkmalschutzgründen ist die Stadt verpflichtet, das Gebäude zu erhalten.“ Er betont außerdem, dass eine zunächst ins Auge gefasste Nutzung als Gastronomie nicht realisiert werden konnte, weil keiner der Interessenten bereit gewesen sei, das wirtschaftliche Risiko zu übernehmen, sondern selbiges lieber der Stadt überlassen habe. „Es heißt bis heute, die Stadt hätte da was verhindert, aber das ist nicht so“, betont Lukat.

Diese Geschichten sind inzwischen Vergangenheit, Uelzen guckt nach vorn. Und deshalb will die Stadt ihre Bürger auch auf dem Laufenden darüber halten, was im Alten Rathaus passiert: Im 14-tägigen Rhythmus wird auf www.uelzen.de mit Fotos der Baufortschritt dokumentiert. Auch Filme soll es geben, zum Beispiel über die archäologischen Funde, die der Umbau zutage gefördert hat. Im Juni will die Stadt außerdem die Bürger ins Alte Rathaus einladen, zur Baustellen-Führung. Das Projekt soll erlebbar werden.

Von Ines Bräutigam

Kommentare