So haben die Vormieter das Haus zurückgelassen: Verschimmelte Wände, herausgerissene Türen, Steckdosen und Teppiche, dazu ist ein beißender Gestan ...

Das Haus als Müllhalde

So haben die Vormieter das Haus zurückgelassen: Verschimmelte Wände, herausgerissene Türen, Steckdosen und Teppiche, dazu ist ein beißender Gestank allgegenwärtig.

Uelzen. Rote Backsteinwände mit dunklen Fachwerkbalken: Von außen sieht das Wohnhaus an der Celler Straße eigentlich ganz passabel aus. Doch wer den Garten betritt, bekommt einen anderen Eindruck:

Drei alte Fernseher, ein Drehstuhl, ein Supermarkt-Einkaufswagen und eine Möbelvitrine liegen dort herum. Und das ist nur der Vorgeschmack auf das, was den Besucher im Inneren des Hauses erwartet. Verwahrlost, verdreckt, beschädigt – so präsentiert sich die Wohnung im Erdgeschoss.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt. Diese Wohnung ist komplett verwohnt und hinüber“, sagt der Uelzener Alexander Thieme. Sein Vater hat das Haus an der Celler Straße vor neun Monaten bei einer Zwangversteigerung des Amtsgerichts erworben. Wie es in dem Gebäude aussah, das erkannten die beiden erst später, als sie es zum ersten Mal betraten.

Fast überall liegt dort Müll herum – Hinterlassenschaften der Vormieter, die Anfang Juli ausgezogen sind. Leere Schnapsflaschen, Zigarettenkippen, benutzte Taschentücher und Plastiksäcke mit Schmutzwäsche sind großflächig auf dem Fußboden verteilt. Türen wurden aus den Angeln gehoben, Teile der Tapete sind abgerissen oder mit Dreck beschmiert. Über allem liegt der beißende Gestank von Katzen-Urin. „Das Haus wird vermutlich abgerissen, eine Sanierung lohnt sich nicht mehr“, sagt Thieme, der das Verhalten der Vormieter, einer dreiköpfigen Familie, empörend findet. „Diese Leute haben anscheinend nicht ansatzweise ein Scham- oder Pflichtgefühl“, meint der 34-Jährige. Andere Mieter hätten dagegen ihre Wohnungen besenrein hinterlassen. Thieme geht es jedoch nicht um den materiellen Wert der Zerstörungen, „sondern ums Prinzip, dass man so etwas nicht machen kann“. Dieses Verhalten ist für ihn ein Zeichen mangelnden Respekts: „Man hat als Vermieter doch ein Recht darauf, dass die Wohnung sauber und vernünftig hinterlassen wird.“

Peter Schocker, Rechtspfleger beim Amtsgericht Uelzen, kann und will sich zu dem Fall Thieme nicht äußern. Grundsätzlich rät er Interessenten aber, vor einem Auktionsgebot das Wertgutachten der Immobilie sorgfältig zu studieren und sich das mögliche Kaufobjekt von innen und anzuschauen. „Man kann nicht die Katze im Sack kaufen und hinterher sagen: Mir gefällt das nicht“, betont Schocker.

Potenzielle Käufer hätten jedoch keinen rechtlichen Anspruch auf Zutritt zu einem Gebäude, wenn der Vormieter dagegen sei. „In diesem Fall muss man eben um das Haus herumgehen und es so in Augenschein nehmen. Ein Restrisiko besteht immer, wenn man nicht reinkommt“, weiß Schocker. Auf das Urteil der vom Amtsgericht beauftragten Wertgutachter sei indes Verlass: „Das sind Profis, die wissen, was sie machen.“

Dagegen sei die Stadt Uelzen für Probleme im Zusammenhang mit Zwangsversteigerungen nicht zuständig, erläutert Bernd Hinz von der Abteilung Rats- und Öffentlichkeitsarbeit. „Wir müssen nur dann handeln, wenn zum Beispiel eine hilflose Person in einer Wohnung oder einem Haus lebt.“ Dann würde der Landkreis eingeschaltet, um zu klären, ob dieser die Betreuung der Person übernimmt. „So ein Fall kommt aber sehr selten vor“, weiß Hinz.

Grundsätzlich seien die Eigentümer verpflichtet, für den ordnungsgemäßen Zustand ihrer Immobilie zu sorgen. „Wir als Stadt werden erst tätig, wenn jemand dieser Pflicht nicht nachkommt, etwa wenn ein Balkon oder eine Dachrinne wegen baulicher Mängel hinabzustürzen droht“, sagt Hinz.

Von Bernd Schossadowski

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