Wut und Hass nach Mitternacht

Die Unfallstelle auf der Landesstraße 250 am Hainberg heute: Die Mutter der Getöten hat wieder eine Gedenktafel aufgestellt und frische Blumen gepflanzt.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Zum ersten Mal steht Jolanta Kazimierczak dem Mann gegenüber, der ihr so viel Leid zugefügt hat nach dem Unfalltod ihrer Tochter. Der immer wieder die kleine Gedenkstätte an der Landesstraße zwischen Uelzen und Melzingen verwüstet hat, an der Iwona im Alter von 27 Jahren starb. Jolanta Kazimierczak ist als Zeugin vor Gericht geladen, Wolfgang T. sitzt auf der Anklagebank.

Der Weg hierher hat die Mutter der Getöteten viel Kraft gekostet. Den Verlust ihrer Tochter hat sie bis heute nicht verkraftet. „Wenn ein Kind stirbt, dann ist das das Schlimmste für eine Mutter“, sagt die Ebstorferin. Die Blumen und das Kreuz hat sie aufgestellt, weil sie auch genau hier ihrer Trauer Ausdruck geben will, an dieser Stelle, an der eine Limousine Iwonas Kleinwagen frontal rammte. Die junge Frau hatte keine Überlebenschance.

Der Weg ins Amtsgericht war schwer und nach knapp einer Minute ist Jolanta Kazimierczak schon wieder entlassen. Der Angeklagte hat die Vorwürfe eingeräumt, er kenne die Familie gar nicht, hat er gesagt. Dass es Wut war über das Kreuz, das man nicht am Wegesrand aufstellen dürfe und Hass auf russische Namen. „Auch wenn ich kein Ausländerfeind bin“, wie Wolfgang T. versichert. Jolanta Kazimierczak verlässt das Gericht. Doch auf der Straße dreht sie um. Sie will hören, wie der Richter urteilt in diesem Fall, der ihr über Monate zusätzliches Leid zugefügt hat. Im Saal sagt derweil ein Polizist aus, wie man dem Täter auf die Schliche kam. Per Video wurde überwacht, zu welcher Zeit die Zerstörungen stattfanden, dann legten sich die Beamten im angrenzenden Wald auf die Lauer. „Um 1.30 Uhr hielt ein Auto, der Mann stieg aus, trat auf Blumensträuße und Gedenktafel ein; es ging blitzschnell“, erinnert sich ein Ermittler. Als die Beamten T. mit Taschenlampen anleuchten, rennt er zu seinem Auto, bei dem der Motor noch läuft. Doch bevor er einsteigen kann, wird der 48-Jährige überwältigt.

Die Vorwürfe gibt er zu, „das war Scheiße“, dass er bestraft werde, sei richtig. Doch Wolfgang T. sagt auch, dass Gedenkstätten an Straßenrändern doch verboten seien „und wenn da nichts gestanden hätte, würde ich hier nicht sitzen“.

Der Richter betont, dass es unerheblich sei, ob die Kreuze dort stehen dürfen oder nicht, „aber zerstören darf man sie ganz sicher nicht“. Und er liest die Vorstrafenliste des Angeklagten vor, die von mehrfacher Hehlerei bis zu gemeinschaftlich versuchtem Diebstahl in besonders schwerem Fall reicht.

1200 Euro Geldstrafe wegen Sachbeschädigung in sieben Fällen lautet schließlich das Urteil – das könne man akzeptieren, meint Jolanta Kazimierczak beim Verlassen des Gerichtes: „Wichtig ist, dass jetzt Ruhe herrscht.“ Der Mann, der mit seinem Auto den Kleinwagen ihrer Tochter rammte und die 27-jährige tötete, hatte eine Geldstrafe bekommen, die mit 2400 Euro nur doppelt so hoch ist – verstehen kann die Mutter das alles nicht.

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