Landgericht schickt 35-Jährigen für viereinhalb Jahre ins Gefängnis

Haft für Axt-Attentäter

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Das Landgericht Lüneburg verhängte gegen einen 35 Jahre alten Mann eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.

aja Uelzen/Lüneburg. Das Landgericht Lüneburg hat den Mann, der im Mai einen Radfahrer am Elbe-Seitenkanal unvermittelt angegriffen und mit einem Axthieb erheblich verletzt hatte, wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Die ersten elf Monate soll der 35-Jährige zunächst absitzen, bevor der suchtkranke Mann in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden soll. „Eine mindestens zweijährige Entziehungskur wäre eine Chance“, hatte der psychiatrische Sachverständige Reiner Friedrich die Situation des Mannes bewertet. Die Anklage hatte auf versuchten Totschlag gelautet. Doch weil er nach den ersten beiden Hieben vom Opfer (59) abgelassen hatte, stufte das Gericht dies zu seinen Gunsten als Rücktritt vom Versuch ein.

„Wir hatten fast vier gute Jahre“, sagt die ehemalige Lebensgefährtin und Mutter der gemeinsamen Kinder. Der Angeklagte hatte an einem frühen Abend des 26. Mai am Ufer des Elbe-Seitenkanals bei Oldenstadt in Höhe der Fußgänger-Unterführung einen ihm völlig fremden Radfahrer mit einem Axthieb schwer verletzt. Im Prozess spürte die Kammer den Motiven des Mannes nach. Der war nach einer Entziehungskur 2008 jahrelang unauffällig gewesen, wie Uelzener Polizisten bestätigten.

Ab Ende vergangenen Jahres jedoch hatte die Polizei immer häufiger mit den Angeklagten zu tun. Der Streifendienst war zu diversen Sachbeschädigungen und Körperverletzungen gerufen worden, verbunden mit dem Hinweis, dass der Mann gefährliche Werkzeuge dabei habe. „Einmal war es ein an zwei Seiten angespitzter Pfosten, mit dem er gegen Passanten ausholte“, beschreibt einer der Polizisten. „Ein anderes Mal fanden wir in seiner Tasche ein präpariertes Gartengerät.“ Auf der Wache sei man sprachlos gewesen, als das Amtsgericht Uelzen die beantragte Zwangseinweisung abwies.

Kurz vor Himmelfahrt war der Angeklagte nach einem kurzen Aufenthalt in der Klinik wieder unterwegs. Mehrere Zeugen alarmierten die Polizei. „Der hatte uns mit seinem Fahrrad die Vorfahrt genommen und ist dann völlig ausgerastet“, erzählt ein junger Autofahrer. Der Mann sei vom Fahrrad gestiegen und habe den Kotflügel abgetreten. Ein anderer konnte sich erinnern, dass seine Freunde vom Vatertagsumzug ihm erzählten, dass da jemand mit zwei Hämmern vor ihm gestanden hätte. Schleichend habe sich sein Wesen verändert, sagt die Lebensgefährtin. „Einmal hat er die ganze Wohnung zerlegt“, erzählt die Mutter seiner Kinder. „Ich hatte Angst und die Kinder auch, da wollte ich weg.“

Von Angelica Jansen

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