Kampagne gegen Gewalt an Frauen

„Er hätte mich umgebracht“

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Sonja M. aus dem Kreis Uelzen wurde in ihrer Ehe verprügelt und vergewaltigt. Sie zog erst aus, als ihre Angst zu bleiben größer war, als zu gehen. „Erzieht die Kinder zur Gewaltlosigkeit mit Respekt für das Leben und die Menschen“, fordert sie.

Uelzen. „Ich habe gebetet, ich habe geweint, ich war völlig verzweifelt, musste ich doch für meine drei Kinder immer noch gute Miene zu bösem Spiel machen und nach außen hin die Form wahren. “ Sonja M. (Name geändert) aus dem Landkreis Uelzen war jahrelang ein Opfer häuslicher Gewalt.

Nachdem sie in der AZ von einer Foto-Kampagne des Runden Tischs zur gemeinsamen Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes gelesen hat, bei der „Standpunkte gegen Gewalt an Frauen“ mit Hilfe von Fotos auf dem Herzogenplatz präsentiert werden, schildert sie im AZ-Gespräch aus ihrer Erfahrung heraus ihren eigenen Standpunkt. Sie selbst hätte damals solch eine Foto-Aktion nicht wahrgenommen, sagt sie, und fordert in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe.

„Ich bin in meiner zwölf Jahre langen Ehe verprügelt, auf alle Arten vergewaltigt, gedemütigt und psychisch misshandelt worden“, berichtet sie, „und ich habe es geschafft, mich zu trennen.“ Das Ganze habe mit einer ersten Ohrfeige und einer riesigen Entschuldigungstirade begonnen. Durch eine „wohl abgewogene Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche, vermengt mit einer andauernden psychischen Erniedrigung“ sei sie irgendwann nicht mehr in der Lage gewesen, eine klare Empfindung von sich selbst zu haben. „Ein langsamer, schleichender Prozess“ sei es gewesen. Sie verzieh immer wieder und konnte sich nicht eingestehen, dass sie viele Jahre mit einem gewalttätigen Menschen zugebracht hatte, und so sagte sie sich selbst: „Ich liebe ihn doch und er ist ja eigentlich ein ganz armes Schwein.“

Ein Messer hatte sie schon an der Kehle, ihre Kinder versuchte sie, vor der Gewalt zu schützen. „Er hat mir immer gesagt, er bringe mich um, verließe ich ihn, und ich hatte davor Angst. Erst als meine Angst zu bleiben, größer wurde, als meine Angst zu gehen, beschloss ich, ihn zu verlassen.“ Doch diesen Beschluss umzusetzen, sei schwer. Dort müssten Organisationen anknüpfen und den Frauen über diese vermeintlich unüberwindbare Schwelle helfen, findet sie – und stimmt darin mit Uelzener Beratungsstellen überein, wie Britta Hönig vom Verein BISS e.V. bestätigt. Darauf soll die Foto-Kampagne aufmerksam machen, erklärt die BISS-Mitarbeiterin.

Sonja M. sagt: „Du als Freund, als Nachbar, als Familie kannst dieser Person nur vermitteln: Wenn Du bereit bist zu gehen, sind wir da, Dir zu helfen.“ So sei es auch bei ihr gewesen. Nach einem Missgeschick, einer Lapalie, hatte sie Angst um ihr Leben: „Er hätte mich umgebracht.“ Sie verständigte ein Familienmitglied, das sie bestärkte, sodass sie ihre Koffer packte und mit den Kindern auszog. 24 Stunden Frauenhaus waren die Folge – weit weg vom Wohnort ihres Mannes – und dann fand sie eine private Bleibe. Nach einer Therapie und nachdem sie wieder voll im Berufsleben steht, weiß sie: „Man braucht ein Familienmitglied oder eine gute Freundin als Mittler. Es kann auch jemand Fremdes sein.“

Von Diane Baatani

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