Stärkung des Güterverkehrs verursacht Lärm / Möglicherweise Verzögerung

Hämmern am Bogen

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Was Nachbarn am Veerßer Bogen derzeit immer wieder hören, ist dieses (auf der Seite liegende) sechs Tonnen schwere Gerät, das Stahlbohlen in den Boden treibt. Im Kolben gibt es bei jedem Schlag zusätzlich zum Eigengewicht eine Dieselzündung, die den Hammerkopf nach unten schießen lässt.

Uelzen. Seit dem Wochenende ist es auf Uelzens Straßen noch ein wenig enger geworden: Die Soltauer Straße, B71 zwischen Veerßen und Hansen, ist voll gesperrt.

An der Brücke über die Bahnschienen soll möglichst schnell eine Behelfsbrücke gebaut werden, derzeit arbeiten sich die Bauarbeiter in das Erdreich hinein, um stützende Wälle zu bauen, auf die dann eine metallener Steg gesetzt wird. Parallel zu der Sperrung der Straße stehen Arbeiten wenige hundert Meter weiter stadteinwärts an: An der Celler Straße beim Rewe-Supermarkt sowie auf einem Stück der Soltauer Straße wird der Beton erneuert, derzeit bereiten die Firmen die Hauptarbeiten vor.

Der dicke Brocken der kommenden Tage werden aber die Bauarbeiten an der Brücke nach Hansen sein. Eine Arbeitsgemeinschaft mehrerer Firmen ist dort am Werk. Hauptarbeit ist es derzeit, lange Stahlbohlen in den Boden zu rammen. Sie werden den Damm, auf dem dann die Behelfsbrücke aufgelegt werden soll, stabilisieren. Unter und an diesem Verbau von Spundbohlen werden dann weitere Gleise an der Bahnlinie Stendal-Uelzen gelegt. Um die Spundbohlen im Boden zu stabilisieren, werden sie metertief in den Boden gerammt. Zuerst sorgt ein „Vibrationsbär“ – ein tonnenschweres Gerät mit mehreren Unwucht erzeugenden Motoren im Inneren – dafür, dass diese Bohlen mit einer Ruckel-Bewegung in den Boden gedrückt werden. Danach hämmert ein weiteres Gerät die Spundbohlen ein – auch dieses Gerät ist tonnenschwer, wird ebenfalls „Bär“ genannt, und kombiniert das hohe Gewicht mit einer starken Dieselzündung im Kolben, um die Wände in den Boden zu treiben. Dass das laut ist, wissen die Bauarbeiter selbst am besten, und der Bauleiter vor Ort, Florian Weidlich, versteht, wenn Anwohner genervt sind.

Verständnisvoll muss er auch sein, wenn dann Naturschützer an der Leitplanke stehen, wie gestern Mittag Peter Ramüncke und Jan Willcox vom BUND, die darauf hinweisen, dass Kräuter samt Böden direkt am Bahndamm evakuiert werden sollen, laut Planfeststellungsverfahren, meint Willcox. Er sorgt sich um sehr seltene und schützenswerte Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren. Die Bäume am Bahndamm wurden entfernt, diese Gehölzentfernung sollte schonend verlaufen, aber noch sei nicht klar, wann und wie die Kräuterlandschaft an einen sichereren Ort gebracht werden könne. Fünf Minuten reden die drei Männer an der Leitplanke. Auch den Reporter über das Gelände zu führen, von Polier zu Polier, nimmt Zeit in Anspruch. Weidlich hat zu tun.

Was beim schützenswerten Kraut am Bahndamm schon für Diskussion sorgt, steht in einem großen Zusammenhang: Die zusätzliche Linie Uelzen–Stendal wird im Rahmen des „Sofortprogramms Seehafenhinterlandverkehr“ gelegt, wie es Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis beschreibt. Hinter diesem Ungetüm von Wort stehen die großen Seehäfen wie Hamburg, die ihre Waren ins Inland verfrachten, auch auf der Schiene. Die Strecke Uelzen–Stendal, die mit einer weiteren Schiene verstärkt wird, führt in den Bahntransportbereich, den Meyer-Lovis „Ostkorridor“ nennt und der bei Magdeburg endet.

Bis zum kommenden Sonntag, 4. November, soll die Behelfsbrücke stehen. Bis dann hat die Stadt die Sperrung zunächst genehmigt. Den Zeitraum für diese Sperrung habe die Stadt lange im Voraus mit der Bahn vereinbart, weil in den Ferien der Schülerverkehr nicht stattfindet und das Verkehrsaufkommen geringer ist, so heißt es aus dem Rathaus. Ob das zeitlich klappt, daran zweifeln die Arbeiter vor Ort allerdings gestern noch. Der harte und steinige Untergrund sorge für ein langsameres Vorankommen – die Bohlen lassen sich nicht so leicht einrammen wie gedacht. Eine Woche länger könnte es werden, so heißt es. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis kann das gestern aber ebensowenig bestätigen wie Stadtsprecherin Ute Krüger. Wenn die Verbaue stehen und die Behelfsbrücke fertig ist, wird mit dem Bau der neuen Gleise und dem Bau von Lärmschutzwänden begonnen. Die Männer arbeiten Tag und Nacht.

Von Kai Hasse

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