„Gutes will das werden“

Tuchfühlung nach der ersten Predigt: Im Hohen Chor knüpfte Propst-Kandidat Jörg Hagen, hier mit Ehefrau Birgit (2. von rechts) und seiner ältesten Tochter Kristina, erste Kontakte.

Uelzen/Landkreis - Von Marc Rath. „Was will das werden?“ – diese Frage stellte der Osnabrücker Pastor Jörg Hagen am Pfingstsonntag bei seinem Aufstellungs-Gottesdienst als Kandidat für das Amt des Propstes im Kirchenkreis Uelzen in den Mittelpunkt seiner Predigt über die Pfingstgeschichte. Vor rund 300 Zuhören, die das Marien-Mittelschiff gut füllten, zog der 53-Jährige bei seiner Interpretation der Apostelgeschichte viele Bezüge zur Gegenwart.

„Passen Worte und Taten zusammen?“ – dieser Frage müssten sich die Kirchen heute angesichts einer großen Vertrauenskrise nicht zuletzt wegen der Missbrauchsvorwürfe stellen. „Reden Christen von Werten, die sie doch nicht leben?“, laute ein solcher Vorwurf. Neben der Krise der Werte komme eine Krise der Strukturen hinzu, spielte der Propst-Kandidat auf die finanziellen Zwänge an: „Vieles wird nicht so bleiben – das haben Sie im ländlichen Raum schon bitter erfahren.“

Hagen widersetzte sich in seiner Predigt dem „erschöpften Unterton der Frage“ und setzte dagegen: „Gutes will das werden!“ Der Pfingst-Geist sei ein Zeichen des Aufbruchs und der Verständigung. „Wir müssen ausbrechen aus der drohenden Isolierung und der Sprachlosigkeit“, formulierte der Pastor und bezog das ganz direkt auch auf die jüngste Vergangenheit im Kirchenkreis Uelzen.

Gegen eine drohende Stagnation und in schwierigen Zeiten gelte es, auf die Kraft von Gottes Geist zu vertrauen. „Leben wir, was wir haben“, warb Hagen für ein „neues Verstehen“. Miteinander sprechen und Grenzen überwinden –  dies müsse innerhalb der Kirche, aber auch jenseits der kirchlichen Räume gelingen.

Die „Dynamik des Pfingstfestes“ sei im Alltag sehr wohl spürbar. Etwa bei der fröhlich und offen gelebten Ökumene vieler Besucher beim jüngsten Kirchentag – „jenseits der offiziellen Begrenztheit“, wie es Hagen kritisch formulierte. Er bekannte sich offensiv zu neuen Gottesdienstformen. Da lebe die Gemeinde neu auf, sieht Hagen hier Beispiele, „wie lebendig Kirche heute auch sein kann“. Mut schöpfen, in Bewegung bleiben, Neues wagen, lautete daher seine Pfingst-Botschaft.

Jörg Hagen wurde bei seinem ersten Uelzener Gottesdienst von seiner Ehefrau Birgit und der ältesten Tochter Kristina begleitet. Am 16. Juni steht er im Kirchenkreistag zur Wahl. Bis zum nächsten Sonnabend könnten jetzt noch schriftlich von den Mitgliedern des Kirchenkreistages oder der Propst-Gemeinde St. Marien Einsprüche formuliert werden. Hier seien jedoch nur Beanstandungen in Fragen der theologischen Lehre, der pastoralen Führung oder des Lebenswandels zulässig, erläuterte die stellvertretende Pröpstin Heike Burkert zu Beginn des Gottesdienstes.

Vom Kirchenkreis gewählt ist Jörg Hagen, wenn er im ersten Wahlgang zwei Drittel der Stimmen erhält beziehungsweise bei einem zweiten die Mehrheit der Mitglieder für ihn stimmen. Am Pfingstsonntag sah alles nach „Gutes will das werden“ aus.

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