Vorwürfe gegen Schulleiterin / Stadtrat: „Es geschehen seltsame Dinge“

Grundschule vor dem Aus: Eskalation in Molzen

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Glückliche Kinder, bunte Luftballons. Die gestrige Idylle vor der Grundschule Molzen trügt. Trotz ihres hohen Ansehens steht die Schule vor dem Aus. Und die Schulleiterin irritiert mit einem „Plan B“.

Uelzen-Molzen. Im Ringen um den Erhalt der Grundschule Molzen ist eine neue Eskalationsstufe erreicht. Teile der Elternschaft, unter ihnen die Elternratsvorsitzende Irmhild Schröder, erheben schwere Vorwürfe gegen die Schulleiterin Bärbel Brandt.

Diese setze sich nicht für den Erhalt der Schule ein. Im Gegenteil: Sie arbeite viel mehr daran, dass die Schule schließen müsse, unter anderen indem sie Einschulungs-Anfragen von Eltern schleppend bearbeite.

Und parallel, so ein weiterer Vorwurf, habe sie ihre eigenen Schäflein bereits ins Trockene gebracht: Als kommissarische Schulleiterin an der Grundschule in Oldenstadt besetze sie ab dem kommenden Schuljahr bereits vorübergehend die Stelle, die sie nach der Schließung Molzens dauerhaft besetzen könnte.

Die Anschuldigungen wurden am Rande der jüngsten Schulausschusssitzung laut, in der auch Stadtrat Henning Gröfke eindeutig Position bezog: „Es geschehen seltsame Dinge“, sagte der CDU-Mann. Er bezog sich insbesondere auf einen Informationsabend am 19. Mai in der Grundschule Molzen, zu der die Schulleitung in Absprache mit Stadt und Landesschulbehörde eingeladen hatte. Gröfke, der auch Ortsbürgermeister von Molzen ist, sprach von einer „Abwerbeveranstaltung“.

Die Veranstaltung sollte Eltern von Schülern und solche, die überlegten ihre Kinder in Molzen einzuschulen, darüber informieren, welche Vor- und Nachteile es bei einer Einschulung gebe, sagt Bärbel Brandt gegenüber der AZ. Zu den Vorteilen gehöre – da sind sich alle Beteiligten einig – die herausragende Qualität der pädagogischen Arbeit und die besonderen Vorzüge einer kleinen Schule, in der jeder jeden kenne. Ein Nachteil bei einer möglichen Schließung seien bis zu drei Wechsel der Klassenverbände innerhalb kurzer Zeit, so Brandt.

Für Gröfke und andere ist allerdings klar: „Es ist nicht neutral berichtet worden.“ Er monierte insbesondere auch die Rolle des in Pension gehenden Schulleiters Detlef Kasten von der Schule Oldenstadt. Der sei auch anwesend gewesen und habe Eltern unter Druck gesetzt, ihre Kinder binnen sieben Tagen in Oldenstadt anzumelden, damit sie im gewohnten Klassenverband bleiben könnten. Auch habe er bereits pädagogische Mitarbeiter der Grundschule Molzen an seine Schule eingeladen und ihnen empfohlen, an die Schule Oldenstadt zu wechseln. Er könne zudem „20 weitere Beispiele seltsamer Vorgänge nennen“, so Gröfke weiter.

Vor den Ausschussmitgliedern, Kämmerer Dr. Florian Ebeling, den Uelzener Grundschulleitern, Petra von Grabe von der Landesschulbehörde sowie rund 20 Uelzenern, die als Zuhörer gekommen waren, spielte er so unter anderem darauf an, dass Molzen – im Gegensatz zu anderen Schulen – keine Flüchtlingskinder abbekommen habe.

Hintergrund der hitzigen Diskussion: Nach derzeitigem Stand liegen für die Grundschule Molzen neun Anmeldungen für das kommende Schuljahr vor. Sollten es weniger als 13 Anmeldungen bleiben, liege die Zahl zum zweiten Mal hintereinander unter 13. Die Konsequenz: Entsprechend eines Ratsbeschlusses würde die Schule zum nächstmöglichen Zeitpunkt geschlossen (AZ berichtete).

Schulleiterin Bärbel Brandt zeigte sich gestern gegenüber der AZ betroffen von den Vorwürfen, die sie entschieden von sich wies: Als Schulleiterin gestalte sie die Qualität der pädagogischen Arbeit maßgeblich mit. Des Weiteren führe sie außerhalb der Unterrichtszeiten „ständig“ Gespräche mit Eltern, auch mit solchen, die ihre Kinder in Molzen anmelden wollten. Wie viele Gespräche sie zuletzt geführt hat, sagte sie aber nicht.

Sie tue, so Brandt weiter, alles für den Erhalt der Schule Molzen. Für sie gehöre insbesondere der gute Unterricht an ihrer Schule und alle Anstrengungen, seine Qualität hoch zu halten, dazu.

Und bei der Infoveranstaltung seien Eltern nicht beeinflusst, sondern ihnen neutral die bestehenden Möglichkeiten aufgezeigt worden. Dazu hätten auch Verbleib und Einschulung in Molzen gehört. Brandt: „Es stimmt nicht, dass Schüler nach Oldenstadt gelotst werden.“

Zudem sei die Kritik an der Beauftragung als kommissarische Schulleiterin von Oldenstadt für sie „nicht nachvollziehbar“. Es handele sich dabei um einen „ganz normalen Vorgang“, der, so Brandt, keineswegs zwangsläufig dazu führe, dass sie tatsächlich dort Schulleiterin werde. „Ich kann nicht mal sagen, dass ich mich dafür bewerbe“, sagte Brandt. Abgesehen davon werde die Stelle erst noch ausgeschrieben, bevor man sie besetze.

Erfahrung damit, an der gleichen Schule von einer „Kommissarin“ zur Schulleitern zu werden, hat Brandt allerdings: Noch gestern wurde sie als kommissarische Leiterin der Grundschule Molzen auf deren Homepage geführt. Vor drei Jahren sei durch eine Fortbildung daraus die Schulleiter-Position geworden, erklärte sie.

Von Steffen Kahl

Kommentar

Ein Schelm... 

Von Steffen Kahl 

...wer Böses dabei denkt? Auf diese Frage läuft die Situation in Molzen hinaus. Da nützt es auch nichts, dass sowohl Schulleiterin Bärbel Brandt, als auch die Landesschulbehörde gegenüber der AZ die Normalität des Vorganges betonen. Denn: Wie kann sich eine Schulleiterin, die – warum sollte sie sich sonst die Arbeit aufhalsen – ihren neuen Chefsessel als „Kommissarin“ anwärmt und sich einen Plan B schafft, noch voll auf den Plan A, Erhalt der Schule, konzentrieren? Man kann die Zweifel der Elternschaft daran nachvollziehen. Und man könnte auch das Vorgehen einer Schulleiterin verstehen, wenn es sich tatsächlich so zutrüge. Verlieren, das ist das Bittere, werden bei der Schließung der Schule die Kinder, die ein besonderes Lernumfeld verlören. Verlieren würde aber auch ein ganzer Ort, der mit Schule wesentlich attraktiver ist. Das einer einzelnen Karriere zu opfern, wäre skandalös.

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