12,3 Grad an Heiligabend / Wintereinbruch in der nächsten Woche?

Rekord zu Weihnachten

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Grüne statt weiße Weihnacht feierten die Uelzener in diesem Jahr. Mit durchschnittlich 4,4 bis 4,9 Grad war der erste meteorologische Wintermonat in Nordostniedersachsen einer der vier wärmsten Dezember seit über 100 Jahren.

Uelzen/Landkreis. Nach Winter sieht es derzeit nicht wirklich aus. Ganz im Gegenteil: Bis Donnerstag ziehen die Temperaturen durch Vorfrühlingsluft aus Südwesten sogar auf über 10 Grad an.

Erst zum Freitag geht es nach der Passage einer Kaltfront mit dem Werten bis auf maximal 5 Grad am Wochenende wieder bergab.

Anfang der neuen Woche wird es dann spannend. Zum ersten Mal seit Wochen berechnet ein Wettermodell aktuell einen Wintereinbruch. An der Südseite eines Hochs über Skandinavien könnte der Weg für trockene Frostluft aus Osten zu uns frei werden. Dieses Szenario steht allerdings noch auf tönernen Füßen, da die anderen Wettermodelle mehrheitlich weiterhin die milde Atlantikluft im Vorteil sehen.

Nach der zu 80 Prozent zutreffenden Witterungsregel zum gestrigen Dreikönigstag („Ist bis Dreikönig kein Winter so kommt auch kein strenger mehr dahinter“), ist es für einen kernfesten Winter eigentlich schon zu spät. Meist kurze winterliche Episoden sind in den Folgewochen trotzdem nicht ausgeschlossen.

Ursache der bislang extrem milden Witterung ist eine starke westliche Höhenströmung. Sie erstreckt sich von Kanada über den Nordatlantik bis nach Europa und wird angetrieben von großen Temperaturgegensätzen auf engstem Raum zwischen extrem kalter Winterluft über Ostkanada und sehr milder Meeresluft über dem Nordwestatlantik. Die daraus resultierenden mächtigen Sturm- und Orkanwirbel kurbeln auf ihrem Weg nach Osten auf ihrer Vorderseite den Warmluftstrom nach Europa immer wieder an.

Erst wenn durch ein „Ausbeulen“ der Höhenströmung die milde Luft nachhaltig nach Grönland oder Island umgelenkt wird, kann im Gegenzug Frostluft aus Nordosteuropa nach Mitteleuropa vorstoßen.

Rückblick Dezember: Der Dezember hatte vor allem jede Menge Warmluft zu bieten. Beständige West- bis Südwestwinde hielten die Temperaturen außergewöhnlich hoch. Mit durchschnittlich 4,4 bis 4,9 Grad war der erste meteorologische Wintermonat in Nordostniedersachsen kaum kälter als der November und damit einer der vier wärmsten Dezember seit über 100 Jahren. Ohne das Orkantief „Xaver“ wäre er komplett grün geblieben.

Heftige Schnee- und Graupelschauer bescherten uns zum Nikolaustag und am Tag danach eine weiße Überraschung mit regional beachtlichen Schneehöhen. In Uelzen lag der Schnee am 7. Dezember maximal fünf, in Schatensen zehn und in Bergen-Hohne 16 Zentimeter hoch.

Wie üblich stellte sich punktgenau zu den Festtagen das leidige Weihnachtstauwetter ein. Auf der Vorderseite eines Orkanwirbels bei Schottland stieß mit stürmischen Südwestwinden subtropische Frühlingsluft nach Norddeutschland vor. Bis gegen 24 Uhr in der Weihnachtsnacht stieg das Thermometer kontinuierlich auf das Tages- und Monatsmaximum von 13,6 Grad (Fassberg) bis 14,4 Grad (Wittingen) an und fiel danach ebenso stetig wieder ab.

Derart warm war eine Heilige Nacht bei uns noch nie. Und auch das Tagesmittel von Heiligabend brachte es mit elf bis 12,5 Grad (Uelzen 12,3 Grad) auf eine neue absolute Bestmarke. Dabei wurde das sagenhafte Tagesmaximum von Heiligabend 1977 (bis zu 16,5˚C) jedoch deutlich verfehlt. Ebenso bemerkenswert: Der Dezember hatte bei uns nicht einen einzigen Tag Dauerfrost (Eistag) im Angebot.

Von Reinhard Zakrzewski

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