Jeder Handgriff muss bei Rettungseinsätzen sitzen – dafür wird in Uelzen eine Zugkollision simuliert

Der Test

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Einsatz im Erixx-Zug: Nachwuchskräfte von DRK, THW und Feuerwehr mimen die rund 30 verletzten Fahrgäste.

Uelzen. Aus dem Abendessen wird nichts. Julia Ulm steht am Herd, bereitet ihr Essen zu, als am Mittwochabend die Alarmierung um 19.10 Uhr erfolgt: Zug kollidiert in Bahnhofsnähe mit Pkw. Viele Verletzte.

Ulm beschreibt, was ihr in diesem Moment durch den Kopf geht: „Du hast Bilder im Kopf: Eine riesige Katastrophe; Verletzte, Kinder, Erwachsene, die schreien. Und dann ist da erstmal der Gedanke: Oh Gott. “ Aber zaudern? Die Krankenschwester macht sich auf den Weg zum Einsatz an der Albrecht-Thaer-Straße in Uelzen. Als sie in den verunglückten Zug steigt, erkennt sie: Heute ist es nur eine Übung.

Krankenschwester Julia Ulm ist freiwillig im DRK engagiert.

Ulm zählt zu den 160 DRK-Freiwilligen im Landkreis, die im Ernstfall gerufen werden können. 40 von ihnen sind am Mittwochabend im Einsatz; sie werden unterstützt von Kräften der DRK-Bereitschaften Lüneburg und Dannenberg. Von den rund 100 freiwilligen Kräften der Uelzener Feuerwehr sind 75 zur Unfallstelle geeilt. Das Gelände an der Albrecht-Thaer-Straße gleicht einem Meer aus Blaulicht.

Mit Schleppkorbtragen werden die Geretteten abtransportiert.

Vier Wochen bereitet ein kleines Team aus DRK- und Feuerwehrkräften die groß angelegte Übung vor. Aufwand wird betrieben. Erixx stellt einen Nahverkehrszug zur Verfügung. Ein Radlader bringt ein Autowrack zu dem Gleis, das für den Einsatz gesperrt wird. Möglichst realitätsnah soll es zugehen. Jugendliche aus den Nachwuchsabteilungen des DRK, des THW und der Wehr mimen die Verletzten. Sie haben eigentlich am Mittwoch einen regulären Dienstabend. Vorab soll nichts über die Übung zu den Einsatzkräften dringen. Meike Karolat, Pressesprecherin des DRK-Kreisverbandes Uelzen: „Es braucht die Anspannung bei den Kräften, um voll da zu sein.“ 

Simuliert wurde ein sogenannter MANV – ein Massenanfall an Verletzten. Im „verunglückten“ Zug saßen 30 Menschen, die verletzt worden sein sollen. Damit sie optimal versorgt werden können, werden viele Kräfte benötigt. Ein Rad muss ins andere greifen. Am Mittwoch soll vor allem die Zusammarbeit der Beteiligten geübt werden – und dies bei einem Szenario, das Simon Märtens von der Uelzener Feuerwehr und einer der Organisatoren der Übung als „gar nicht so abwegig“ beschreibt.

Wenige Stunden vor der Übung in Uelzen, kollidiert ein Zug mit einem Pkw bei Neustadt (Dosse). Die Autofahrerin und Zuginsassen bleiben glücklicherweise unverletzt. Tage zuvor wird eine Kollision bei Dresden gemeldet. Der Fahrer des Pkw wird schwer verletzt, Zuginsassen erleiden einen Schock. Im Uelzener Stadtgebiet ist ein solches Unglück auch nicht ausgeschlossen. „Wir haben die Bahnübergänge in Veerßen“, sagt Märtens. Sie bildeten auch den Ausgangpunkt für die groß angelegte Übung, die für Kräfte der Uelzener Wehr um 21.10 Uhr noch zum Ernstfall zu drohen wird.

Über die Leitstelle kommt die Nachricht: Im Nordzucker-Werk ist die Brandmelde-Anlage angesprungen. Uelzens stellvertretender Ortsbrandmeister Jürgen Kaune besetzt einen Wagen. Der Einsatz erweist sich als Fehlalarm. Oft genug sind aber die Rettungskräfte bei Ernstfällen gefordert. DRK-Retterin Julia Ulm sagt: „Dann rufst du dein Wissen ab. Und los geht´s.“

Von Norman Reuter

Großübung Uelzener Rettungskräfte am Bahnhof

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