Bundespolizeiorchester begeisterte für guten Zweck im ausverkauften Theater

Mit großer Geste

Die Musiker präsentierten ein zweieinhalbstündiges, teils ausgefallenes Programm.

Uelzen. Das Repertoire, mit dem das Bundespolizeiorchester Hannover in diesem Jahr im Theater an der Ilmenau gastierte und Geld für einen guten Zweck – dieses Mal für das Frauen- und Kinderhaus Uelzen, den Bücherbus Uelzen und die Polizeistiftung des Bundes – sammelte, war ein sehr spezielles.

Es startete mit hochherrschaftlichem Empire-Glanz und Sir Edward Elgars „Pomp and Circumstance“, um danach in die k. u. k. Monarchie Österreich/Ungarn und zu einem ganz speziellen König zu wechseln: Dem Walzerkönig Johann Strauß.

Dann der geografische Schwenk gen Osten, in Alexanders Zarenreich und dessen Krönungsmarsch von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Wilder wurde es mit Ralph Benatzkys Melodienreigen aus dem berühmten „Weißen Rößl“. Generalmusikdirektor Matthias Höfert am Pult gab selbigen swingend und hauchte das „Es muss was Wunderbares sein“ sogar sambarhythmisch an.

Filmmusik gab es und Leonard Bernsteins sinfonische Tänze „On the town“, die sich unüberhörbar vor Gershwins „Amerikaner in Paris“ verbeugen. Eine Komposition von Stephen Melillo (*1957), ein aggressiv forciertes Forte, nahe an der Grenze der Tonalität, besänftigt durch Horn und Xylophon, endend in einem bombastischen wie kitschigen Tutti. Typisch amerikanisch eben.

Das Orchester war in guter Form. Der Mann am Pult hielt mit sehr großer Geste, aber unverkennbarem Spaß alles zusammen, auch wenn er manchmal – sicherlich unfreiwillig – dabei den Komiker gab. Musikalische Integrität, Souveränität und Musizierfreude sind es, die einen Teil des guten Rufes des Bundespolizeiorchesters ausmachen. Das Uelzener Publikum wurde auch in diesem Jahr nicht enttäuscht. Die rund 45 Instrumentalisten in der blauen Uniform legten sich 150 Minuten lang vehement ins Zeug und spielten mit Präsenz und Spannung, schöne Soli in allen Registern fielen auf.

Als die Entdeckung des Abends wurde allerdings Carlotta Truman gefeiert. Die erst zwölfjährige Sängerin, die im vergangenen Dezember in fünf Kategorien für den deutschen Rock- und Pop-Preis nominiert war, ihn als beste Sängerin bekam, ist eine kesse Göre mit Pippi Langstrumpf-Frisur und unüberhörbarem Talent.

Unverbraucht, frisch, ohne Allüren, jedoch mit großem Selbstbewusstsein bezauberte sie das Publikum im ausverkauften Theatersaal. Sie sang unter anderem „Valerie“ von Amy Winehouse; bleibt zu hoffen, dass ihr so früher Ruhm deren tragisches Schicksal erspart.

„Wir wollen das Gefühl der Dankbarkeit und Freude an Sie zurück geben“, sagte Polizeidirektor Wolfgang Kühl vom Bundespolizei-Standort Uelzen zur Begrüßung. „Freude und Dankbarkeit, die uns entgegen schlagen, wenn wir Ihre Spenden überbringen.“ Das Publikum spendete am Donnerstag 3700 Euro.

Von Barbara Kaiser

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