Zahl der freien Stellen steigt in Region auf Höchstwert / Firmen finden keine Mitarbeiter mehr

Große Personalnot in Uelzens Betrieben

+
Pflegedienste ächzen, wie auch andere Branchen, unter fehlendem Personal. Damit droht die Versorgung älterer Menschen in Schieflage zu geraten.

Uelzen/Lüneburg. Es ist kein Rekord, bei dem Jubel ausbricht: Dienstleister, Unternehmen und auch Krankenhäuser oder Pflegedienste ächzen mehr als je zuvor unter fehlendem Personal.

Wie die Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen mitteilt, hat die Zahl der freien Stellen in der Region im April einen neuen Höchststand erreicht. 4 458 freie Arbeitsplätze gibt es demnach im hiesigen und den angrenzenden Landkreisen. Vor allem das Kfz-Gewerbe und das Gesundheitswesen hätten Stellenangebote gemeldet, so die Agentur.

Bernd Passier, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, spricht von einer Arbeitskraftnachfrage „auf hohem Niveau“. Das ist nüchtern umschrieben, was die Lage der einzelnen Branchen betrifft, deren Vertreter verzweifeln mögen an der Situation. Laut Arbeitsagentur dauert es im Schnitt 100 Tage, bis im medizinischen Bereich eine Stelle wiederbesetzt wird, in Elektroberufen sind es 149 Tage. Und allzu oft stellt sich nicht mehr die Frage, wie lange es dauert, bis eine Stelle besetzt werden kann, sondern ob sich überhaupt noch ein Mitarbeiter für sie finden lässt.

Beispiel Altenpflege: Ende des vergangenen Jahres schlug Rüdiger Schlechter, Fachbereichsleiter für Altenpflege beim Uelzener DRK bereits Alarm, weil zunehmend die Pflege älterer Menschen in die Schieflage zu geraten droht – es werden keine Mitarbeiter mehr gefunden. Mindestens 100 Arbeitskräfte fehlten seinerzeit für die Altenpflege im Landkreis Uelzen. Gestern sagt Schlechter auf AZ-Anfrage, die Lage habe sich weiter zugespitzt. Es fehlten Mitarbeiter mit den Voraussetzungen für den Pflegebereich.

Qualifiziertes Personal sucht auch die Kfz-Branche, wie Innungsmeister Dirk Amtsfeld erklärt. Die Anforderungen an den Kfz-Mechatroniker seien gestiegen. Handwerkliches Geschick reiche nicht mehr aus. Gefragt seien schulische Reife einerseits, technisches Verständnis andererseits. Der Inhaber eines Kfz-Meisterbetriebs in Eimke inserierte in drei Landkreisen eine Stelle. Zwei Bewerbungen erhielt er, keiner der Kandidaten war geeignet.

In den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg gibt es rund 140 Kfz-Betriebe. „Wir können nur selbst ausbilden, um Personal zu bekommen“, so Amtsfeld. Aber die Zahl der Bewerber für Ausbildungsplätze sei auch rückläufig. 17 Azubis seien im vergangenen Jahr von der Kfz-Innung freigesprochen worden, einst seien es immer um die 30 gewesen.

Von Norman Reuter

Lesen Sie mehr Lokalnachrichten im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

Kommentare