1:0 für große Lösung

Große oder kleine oder keine Lösung? Die Erweiterung der Fußgängerzone in die Veerßer Straße ist derzeit Streitthema in der Uelzener Kommunalpolitik. (Foto: Ph. Schulze)

Von Marc Rath Uelzen. In der ersten von vier Abstimmungen über die Erweiterung der Fußgängerzone gab es gestern Abend im Bauausschuss die Empfehlung für die von der Verwaltung vorgeschlagene "große Lösung": Die vier SPD-Vertreter stimmten dafür, die Veerßer Straße zwischen Altem Rathaus und Turmstraße für den Autoverkehr zu sperren. Die drei CDU-Vertreter votierten dagegen. FDP-Ratsherr Gerald Röpe, der auch zum Lager der Gegner der größeren Lösung gezählt wird, fehlte, Grünen-Vertreter Thomas Körding enthielt sich der Stimme.

Baudezernent Karsten Scheele-Krogull kündigte gestern an, dass im Fall eines positiven Ratsbeschlusses bis zum Herbst zunächst ein Provisorium geschaffen werden soll. Die Eingangbereiche würden dann derart verengt, dass kein Autoverkehr mehr möglich sei. In dieser Zeit wolle die Stadt eine Eingewöhnung ermöglich - und den Antrag auf Zuschüsse aus dem europäischen Ziel-1-Förderprogramm stellen. Für die Umbaukosten von 200000 Euro hofft Scheele-Krogull auf eine 75-prozentige Förderung.

Die Testphase möchte der Planer auch dafür nutzen, dass Anlieger-Geschäfte Flächen für Gastronomie und andere Angebote nutzen können. Dafür soll kurzfristig eine neue Sondernutzungsordnung beschlossen werden. Der Chef des Baudezernats ließ im Ausschuss offen, ob es für die Testzwecke Sonderkonditionen geben soll.

CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Hüdepohl will sich "zum jetzigen Zeitpunkt" dieser Variante nicht anschließen. Er warb für eine endgültige Entscheidung im Rahmen eines Gesamtpakets mit den Bauvorhaben am Veerßer Tor und an der Schuhstraße. Zudem sollte die von der Wirtschaftsförderung geplante Befragung der Hausbesitzer mit dem Ziel einer Zusammenlegung von Ladenflächen abgewartet werden. Dann bestünden möglicherweise weitaus attraktivere Rahmenbedingungen. "Wir sollten das jetzt nicht übers Knie brechen", warnte er: "Möglicherweise erzielen wir eine Wirkung, die keiner beabsichtigt."

"Der jetzige Vorschlag spiegelt das Anliegen der Bevölkerung wider", entgegnete SPD-Ratsherr Uwe Holst. "Weil wir später keine Finanzierungsmöglichkeit mehr haben, sollten wir jetzt keine halbherzigen Schritte gehen", plädierte er für die große Lösung: "In Uelzen gehen die Uhren etwas anders. Wir sollten aber darauf achten, dass sie nicht ganz aufhören zu gehen."

Einer kleinen Fußgängerzone lediglich im Bereich der Fünf Propheten -die von der eigens vom Rat eingesetzten Arbeitsgruppe Innenstadt ebenso viele Punkte erhalten hatte wie die "große Lösung" (AZ berichtete), erteilte Scheele-Krogull eine Absage. Die Parkplätze an der Veerßer Straße seien dann "die attraktivsten in der Stadt". Dadurch könnten sich Lüneburger und Gudesstraße nicht ausreichend positionieren. "Es ist von Vorteil, dass bestimmte Bereiche direkt anfahrbar sein können", räumte er ein.

Mit einem Umbau rechnet der Dezernent erst im Frühjahr. Im Bauausschuss deutete er an, dass die Testphase über die Winterzeit auch zurück genommen werden könne. Sollte es keine 150000 Euro aus dem EU-Topf geben, hält der Dezernent den Umbau nicht für finanzierbar.

Morgen berät der Wirtschaftsförderausschuss das Thema -dort sitzen auch Handelsverein-Vorsitzender Uwe Schwenke und der City-Manager Joachim Lotz mit beratender Stimme, die die "große Lösung" abgelehnt hatten und ihre Argumente nochmals deutlich machen können. Im Verwaltungsausschuss am 14. Juni und am 21. Juni im Rat fällt dann die endgültige Entscheidung.

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