Jahrelanger Handel

Das große Geschäft mit Anabolika: Uelzener drohen bis zu 15 Jahre Haft

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(Symbolfoto)

Uelzen/Lüneburg. Sie gaben sich die Decknamen „The Wall“, „Der Schwabe“ oder „Testo Besto“ und sie brauchten regelmäßig Anabolika, um ihre Körper aufzupumpen. Jahrelang bestellten sie übers Internet bei dem Uelzener Mikhail K. (24), vor einem Jahr brachen die Geschäftsbeziehungen dann abrupt ab.

Denn der gebürtige Magdeburger sitzt seit April 2014 in Untersuchungshaft. Gestern beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Lüneburg warf ihm die Anklage gewerbsmäßigen Handel mit Anabolika in großen Mengen vor – dem 24-Jährigen drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.

Einen schwunghaften Handel mit Anabolika und Begleitprodukten, die etwa unerwünschte Nebenwirkungen abmildern sollten, habe Mikhail K. über Jahre betrieben, um so seinen Lebensunterhalt zu verdienen – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Dabei habe sich der Magdeburger verschiedener Verschleierungstaktiken bedient.

So bot er laut Anklage die Produkte unter Pseudonymen in verschiedenen Internetforen an, bediente sich beim Versand ins gesamte Bundesgebiet gefälschter Postnummerkarten und verschiedener Konten, unter anderem bei Uelzener Geldinstituten. Überweisungen tarnte er im Verwendungszweck als Kfz-Geschäfte. Die Ware bezog er demnach unter anderem über die Adresse seiner ebenfalls in Uelzen lebenden Freundin. Gegen diese wird gesondert ermittelt. Hunderte von Ampullen und Tabletten fanden so ihre Abnehmer, bei einem anderen mutmaßlichen Anabolika-Dealer soll sich Mikhail K. außerdem „eingekauft“ haben.

Vor einem Jahr klickten dann die Handschellen, Ermittler des Zolls nahmen mehrere mutmaßliche Beteiligte fest, veranlassten, dass sie keinen Kontakt miteinander hatten und verteilten sie auf Justizvollzugsanstalten in ganz Deutschland. Mikhail K. wurde nach München gebracht und wartete dort bis gestern auf seinen Prozess. Zwei Anträge seiner Anwälte, die Untersuchungshaft wegen unzumutbarer Länge zu beenden, lehnte das Oberlandesgericht München ab. Mikhail K. hat ein Geständnis angekündigt.

Von Thomas Mitzlaff

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