„Größer, schöner, aufregender“

Die Festmeile an der Seebohmstraße war gut besucht.

Uelzen - Von Janina Fuge. Schwerfällig quetschen sich die riesigen Netze mit luftigem Inhalt aus ihrer Lagerhalle. Erste „Uihhs“ und „Aahs“ und „Ooohs“ sind zu hören, als sich mehr als 2000 bunte Luftballons – fest verschnürt, damit keiner ausbüxt – ihren Weg zu den Zuschauern bahnen. Um 16.13 Uhr war es dann so weit: Leinen los und die gelben, grünen, weißen und orangen Ballons stiegen in den Uelzener Frühlingshimmel – noch dazu für einen guten Zweck: Ein Euro pro Ballon kamen hierbei der Lebenshilfe zugute.

Der bunte Ballonstart der Lebenshilfe, an dem sich tatkräftig sämtliche Mitarbeiter des Hauses beteiligten, war damit eine der großen Aktionen beim Uelzener „Happy-Seebohm-Straßenfest“. Seit Jahren als Veranstaltung der Gewerbetreibenden bekannt, war das Fest zuletzt heftig in die Schlagzeilen geraten: Vergangene Woche wurde Eckehard Niemann, bis dato Sprecher der A39-Gegner des Nachts von der Polizei dabei erwischt, wie er seinem Unmut über den „Happy Seebohm“-Namen Luft machte und mit Spraydose an die aktuelle Straßennamen-Debatte und Seebohms nicht unbedingt unbefleckte Vergangenheit zur Zeit des Nationalsozialismus erinnerte.

Von diesem politischen Einschlag war beim Fest selbst nichts zu spüren: Sonnenschein und Feierlaune waren angesagt. „Die Kinder haben Freude – das ist die Hauptsache“, fand beispielsweise Klaus Timm aus Uelzen. „Viele junge Leute wissen mit diesem Namen gar nichts mehr anzufangen – und irgendwann muss man die Vergangenheit auch ruhen lassen“, meint auch seine Ehefrau Ingrid Timm. Bestätigung für dieses Plädoyer zum Unpolitischen kommt von Stephan Hoffmann, Prokurist bei Mölders. „In der vergangenen Geschäftswoche wurden wir nur einmal angesprochen auf dieses Thema“, verrät er. „Happy Seebohm“ sei als Titel eben „des Anglizismus wegen“ entstanden, ansonsten mache man sich „über Dinge wie Straßennamen weiter keine Gedanken.“

Schließlich ging’s hier gegenwartsbezogen zu. Im großen Walmaul beispielsweise, das den zehnjährigen Maik just verschluckt hat. „Ganz schön drängelig“, fand der Zehnjährige. Spaß machte auch das Bullenreiten ein paar Hundert Meter weiter. Bjarne versuchte hier sein Glück, hielt sich wacker, bis auch er schließlich klein beigeben musste – und in die Luftkissen sank. Fünf Runden hielt er durch – seine große Schwester sogar sieben. Großmutter Roswita Dittmer war auf beide stolz wie Bolle, „toll“, meinte sie schmunzelnd.

Mit Bratwurst und Leckereien allerorten, Hüpfburgen, Gewinnspielen, einer Kranfahrt in 65-Meter Höhe, einer Oldtimershow, Mitmachzirkus für die Kleinen und vielem, vielem mehr, ging’s bunt zu – erst recht, wenn Marktschreier loslegten. „Rüdiger“ versuchte Wurst an den Mann oder auch die Frau zu bringen – mit überzeugungskräftiger Hamburger Fischmarkt-Kodderschnauze. „Mensch, Ihr habt wohl das Geld zwischen den Arschbacken eingeklemmt“, krakeelte er – und prompt kam zurück: „Welches Geld?“ Marktschreier sind schlagfertig, „Mensch, Eure Armut kotzt mich an“, blafft er zurück – nicht ohne gleich eine Leberwurst als Appetithappen zu verschenken. „Das Fest ist dieses Jahr einfach noch größer, schöner und aufregender“, bilanzierte Besucherin Erika Ebers, die mit Tochter und zwei Enkelinnen das Seebohm-Fest zum Wochenendspaß machte.

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