15000 Fans feiern fantastischen Konzertabend / Nächstes Jahr zwei Tage?

Grönemeyer bringt Bühne und Beine zum Beben

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Seid umschlungen: Herbert Grönemeyer fühlte sich auf der Bühne der Almased-Arena sichtlich wohl.

Uelzen. Der Künstler selbst hatte bereits nach wenigen Minuten auf der Bühne eine Ahnung. „Irgendwie hat das heute was. Es ist ein total schöner Abend“, hauchte Herbert Grönemeyer fast schon zärtlich ins Mikro.

Während der laue Sommertag langsam am Horizont versank, die Almased-Arena mit den letzten Sonnenstrahlen in ein goldfarbenes Licht getaucht wurde und 15000 Konzertbesucher gemeinsam mit dem Rockstar die Ruhrgebiets-Hymne „Bochum“ intonierten, bebten Bühne und Beine. „Tief im Westen. . . “, schallte es aus tausenden Kehlen. Ob die Hardcore-Fans in den ersten Reihen oder die VIP’s auf der erstmals installierten Tribüne – in dieser wunderbaren Mai-Nacht waren alle ein bisschen Grönemeyer. Zwei Stunden und 45 Minuten – nonstop fegte der Mann aus dem Kohlenpott über die Bühne. Mit seiner unglaublichen Präsenz sowie seiner spür- und fühlbaren Lust auf Musik und Entertainment zog „Herbie“ Fans, Gäste und Besucher in seinen Bann. Ein unsichtbares Band vereinte Künstler und Publikum – eine Symbiose, die beide Seiten auf Augenhöhe brachte. Grönemeyer zeigte sich sichtlich beeindruckt. „Vielen Dank Uelzen, ein Klasseabend! Dafür macht man das. Ihr seid hinreißend“, schmetterte der 56-Jährige den 15000 Zuschauern wahre Lobeshymnen entgegen.

Fans auf dem Werg zu Herbi

Grönemeyers Tourstart in Uelzen

Da geriet das parallel stattfindende Champions-League-Finale zwischen Bayern München und dem FC Chelsea in München (fast) komplett in Vergessenheit. Zumal es in der Allianz-Arena lange Zeit 0:0 stand und „ihr nichts verpasst“, wie Grönemeyer zwischendurch verriet. Ein eigens aufgebauter kleiner Fernseher am Rande der Bühne gab dem Musiker immer mal die kurze Gelegenheit, das aktuelle Zwischenresultat einzuholen und zu verkünden. Dass sich in der bayerischen Hauptstadt am Ende des Matches ein sportliches Drama abspielte – zumindestens aus Sicht der Münchener Fans – bekamen die meisten Besucher erst im Anschluss an das Konzert beim Bier danach an den Getränkeständen der Almased-Arena oder in Uelzener Kneipen mit.

Grönemeyerbringt die Bühne zum Beben

Fans unterwegs zum Herbi-Konzert

Einer, der sich weder auf Bier noch Bayern einlassen konnte, war Konzert-Veranstalter Uli Gustävel. Waren die seit Wochen laufenden intensiven Vorbereitungen schon anstrengend genug, ging es nach der dritten Zugabe und dem Verklingen der letzten Töne für Gustävels Crew in die Verlängerung. Abbau und Abwicklung des kompletten Equipments – „um 3.30 Uhr war ich im Bett, um 8 Uhr standen wir schon wieder auf dem Gelände. Im Moment fühle ich mich ein wenig abgerockt“, so ein geschaffter aber auch erleichterter „Macher“ gestern Mittag. „Jetzt fällt der Druck ab, wir sind alle zufrieden. Das Wetter war das i-Tüpfelchen. Seit Wochen hatte ich geträumt, dass wir am Veranstaltungsabend um 20 Uhr 20° und Windstille haben. Und – genauso ist es gekommen. Unglaublich!“

Doch nach dem Konzert ist bekanntlich vor dem Konzert. So überrascht es nicht, dass Gustävel bereits wieder Gedankenspiele in Richtung nächstes Jahr anstellt. „Ich würde gerne zum fünften Geburtstag von ,Uelzen open-air’ den Schritt in die Zweitägigkeit gehen“, blickt der Kenner der Musik-Szene voraus. Der Bühnenaufbau sei eh’ sehr aufwändig. Insofern würde es finanziell Sinn machen, die Bühne zwei Tage stehen zu lassen. „Einen Tag vielleicht Rock, am anderen Tag vielleicht Schlager – wer weiß“, wollte sich Gustävel (noch) nicht in die Karten schauen lassen.

Auf alle Fälle sei der Grönemeyer-Auftritt für „Uelzen eine tolle Geschichte“. Da brauche man sich mit dieser Location und diesem Publikum auch vor größeren Städten und Veranstaltungsorten nicht zu verstecken. Wie sagte schon Herbert Grönemeyer zum Abend in Uelzen: „Irgendwie hat das heute was.“ Seiten 2 bis 5

Von Andreas Becker

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