Theater-AG der Uelzener BBS I zeigt einen bisher unbekannten „Faust“

Die Grenzen verwischen

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Geschichte wiederholt sich: Greta (Liesa Hoffmann) ist schwanger, ihr Freund Hendrik (Folke Wagner) ist geschockt.

Uelzen. „Der Sekt ist alle!“ Und da die Mädchen der Gruppe, die sich zum Feiern getroffen hatte, keine Ruhe gaben, wurde Nachschub gesucht. Gefunden allerdings wurde nur ein Getränkekarton – randvoll mit einem Klassensatz „Faust“-Lektüren.

„Was ist das denn?“, „Das ist ja geil“, „Hör mal, diese Sprache“: Die Kommentare der Mädels und Jungs der Klasse ließen spüren, dass Goethes „Faust“ für sie nicht unter den Ersten bei einer Literatur-Wahl gelandet wäre. Doch das Thema ließ sie nicht los – dem ersten einfachen Vorlesen einzelner Textpassagen folgte das Sich-in-Szene-setzen, das Posieren beim Deklamieren. Das Ergebnis: „Lasst uns Faust spielen“, eine Aufführung der Theater-AG der Berufsbildenden Schulen (BBS) I in der Kulturnhalle.

Edmund Linden und Angelika Möller haben in ihrer Bühnenfassung „Play Faust“ bewusst nur den ersten Teil des „Faust“ bearbeitet, ihn bis aufs Wesentliche gekürzt, mit eigenen Texten versehen und in eine neue Rahmenhandlung gestellt, dem Spiel im Spiel. Darüber hinaus lässt diese Version genug Freiraum für eigene Gestaltungen, die von Uta Schwarznecker und Silke Prause, den beiden „Machern“ der Theater-Arbeitsgemeinschaft der BBS I, durch einzelne Text-Erweiterungen und neue Zwischenszenen ideal auf ihre Darsteller zugeschnitten wurden.

Die Handlung verknüpft die Zeit um 1500 mit der Jetzt-Zeit, Altes und Neues verweben sich miteinander. Der den Faust spielende Hendrik (Folke Wagner) ist der schüchterne, scheue, aber hochintelligente Schüler. Wie Faust ist auch er auf der Suche nach Antworten, unfähig, sein Leben zu „leben“. Wie bei Goethe trifft auch hier Faust/Hendrik auf Mephistopheles, den darzustellen sich der Mädchenschwarm Max (Chris Fleischmann) anbietet.

Bleibt noch Gretchen – für die schauspielernde Klasse ist die zurückhaltende Greta (Liesa Hoffmann) die Idealbesetzung. Dazu kommen noch weitere 22 Darsteller und drei Techniker. Kaum ein Stück der Theater-AG der Uelzener BBS I hatte mehr Mitwirkende als dieses.

Mephisto verleitet den grübelnden, wissensdurstigen Faust zu einem Pakt, in dem Faustens Seele dem Teufel zugesprochen wird. Im Gegenzug erklärt sich Mephisto bereit, Faust langgesuchte Erkenntnisse zu vermitteln und ihm das Leben schmackhaft zu machen. Und da es Faust nach Gretchen gelüstet, hilft ihm Mephisto dabei. Hier kommt es nun zur engen Verquickung der alten literarischen Vorlage mit den „Faust“ spielenden jungen Akteuren, denn Greta, zunächst noch mit Rouven (Rahul Pathak) liiert, verliebt sich in Hendrik. Und auch der ist nicht ganz abgeneigt.

Es ist beeindruckend, wie intensiv und förmlich in ihren Rollen lebend die jungen Mimen auf der Bühne agieren. Am Donnerstag, 13. März, und am Freitag, 14. März, gibt es jeweils ab 20 Uhr zwei weitere Aufführung von „Lasst uns Faust spielen“ in der Kulturnhalle.

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