Grenzen bieten auch Freiheit

Ist eine Wohnanlage mit Zäunen der richtige Weg, um Demente zu versorgen? Monika Rechenberg findet, dass räumliche Begrenztheit auch individuelle Freiheit bedeuten kann. Foto: dpa

Leserbrief zu den Artikeln „Ein Dorf für Demente“, AZ vom 22. Dezember, und „Einbeziehen statt einzäunen“, AZ vom 24. Dezember:.

Über die Planung einer die Lebenswelt von demenzkranken Menschen einbeziehenden Wohneinrichtung habe ich interessiert gelesen. Das positive Beispiel aus den Niederlanden und die Beteiligung von anerkannten Fachleuten aus dem Landkreis sind sehr überzeugend. Aus meinen sehr intensiven, privaten und beruflichen Erfahrungen begrüße ich ein solches Projekt.

Die momentan zur Verfügung stehenden Heimplätze für diesen speziellen Personenkreis stellen trotz sehr engagierter Pflegekräfte nur eine unzureichende Lösung dar. Je nach Ausprägung der dementiellen Erkrankung benötigen die Menschen eine Umgebung, die durch Vertrautheit der örtlichen und personellen Gegebenheiten geprägt ist. Idealer Weise sollte die Umgebung ihre in der Vergangenheit liegende Lebenswelt widerspiegeln.

Daraus und durch die Möglichkeit, den teilweise sehr ausgeprägten Bewegungsdrang ungefährdet und unbehelligt von Ermahnungen ausleben zu können, resultiert in dem Pilotprojekt offensichtlich eine große Zufriedenheit der Bewohner.

Der allgemein zu beobachtende Drang in verschiedenen Bereichen das „Rad neu zu erfinden“ ist meines Erachtens sehr bedauerlich und eigentlich überflüssig. Der Weg in eine „Gesellschaft für alle“ ist sehr weit! Warum nicht das eine, das (durchlässige?) Demenzdorf, mit dem anderen, den Bemühungen für eine offene Gemeinschaft auch für die Demenzerkrankten, verbinden? Übrigens: Räumliche Begrenzung kann auch individuelle Freiheit bedeuten. Es käme wohl niemand auf die Idee, den Außenbereich eines Kindergartens nicht einzuzäunen!

Monika Rechenberg,

Vinstedt

Kommentare