Altenpflege: Die Georgsanstalt hat die Zahl der Auszubildenden verdoppelt / Großer Bedarf im Kreis

Ein Grat zwischen Nähe und Distanz

Übung am Pflegebett: Annette Bonik (links), Sandra Hoigt (rechts) und ihre Mitschüler lassen sich zu Altenpflegern ausbilden. Sie wissen, dass es „ein Beruf mit Zukunft“ ist. Denn bis 2030 wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen verdoppeln. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Im gesamten Landkreis Uelzen werden dringend Altenpfleger gesucht, und der Bedarf steigt. Bis 2030 wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen bundesweit verdoppeln.

Deshalb hat die Georgsanstalt/Berufsbildende Schulen (BBS) II seit dem Sommer eine zweite Klasse für Auszubildende eingerichtet. Und es könnten noch mehr unterrichtet werden – wenn es denn mehr Interessenten gäbe.

Die Schülerinnen Sandra Hoigt und Annette Bonik sind davon überzeugt, dass sie den richtigen Beruf für sich erlernen. Mit dem Vorurteil, dass es in der Altenpflege nur ums Waschen geht, räumen sie auf. „Es ist ein wunderschöner Beruf mit ganz viel Abwechslung“, ist Annette Bonik begeistert. Zwar seien die Tätigkeiten anstrengend, aber anspruchsvoll: Behandlungspflege, Injektionen und Infusionen verabreichen, Wundverbände legen... „Was vor einigen Jahren nur Krankenschwestern gelernt haben, können jetzt auch Altenpfleger“, erklärt die Fachgruppenleiterin Cornelia Montag. Patienten werden nach einer Operation oft nur noch acht bis zehn Tage im Krankenhaus betreut. Viele werden anschließend durch einen ambulanten Pflegedienst daheim versorgt. Zur Ausbildung an den BBS II gehören daher die stationäre und ambulante Pflege sowie die Arbeit in einem Krankenhaus.

„Leider ist der Beruf immer noch mit einem negativen Image behaftet“, bedauert die Auszubildende Annette Bonik. Sie absolviert den Praxis-Teil gemeinsam mit vier weiteren Schülern in der Seniorenresidenz in Uelzen. Zuvor sammelte die 47-Jährige bereits Erfahrung als Pflegehelferin. „Das reichte mir nicht, als Pflegefachkraft hat man mehr Verantwortung.“

Boniks Mitstreiterin Sandra Hoigt hat vor Ausbildungsbeginn schon im Alten- und Pflegeheim Weißenhof in Rosche gearbeitet, wo sie nun ihren Praxis-Unterricht erhält. „Es ist ein Beruf mit Zukunft“, weiß sie, denn die Chancen auf einen Arbeitsplatz seien sehr gut. Das bestätigt Cornelia Montag: Täglich erhalte sie E-Mails von Firmen, die Pflegekräfte suchen. Die rund 25 Auszubildenden aus dem dritten Lehrjahr können sofort vermittelt werden.

Für den Umgang mit Pflegebedürftigen muss man sich auch mit sich selbst auseinandersetzen. Es ist riskant, wenn man zu viel Nähe zulässt, schildert Sandra Hoigt. Denn wenn die Person verstirbt, geht es ihr sehr nah. „In der Anfangszeit war es schon ein bisschen komisch, aber jetzt ist es kein Problem mehr, man lernt es auch mit den Jahren.“ Im Unterricht lernen sie, mit der Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz zum Bewohner umzugehen. Und sie lernen auch, Ekel und Scham bei bestimmten Tätigkeiten zu überwinden, etwa wenn sie einen Katheter legen müssen. Dabei hilft es, wenn man sich in die Bewohner hineinversetzt, so die 21-Jährige.

Die Georgsanstalt bildet seit mehr als 17 Jahren Altenpfleger und Pflegeassistenten aus. Die Ausbildung zum examinierten Altenpfleger dauert drei Jahre, an zwei Tagen in der Woche lernen die Schüler an den BBS II, drei Tage arbeiten sie im Betrieb. Die BBS II hat für den Unterricht von der Diana-Klinik in Bad Bevensen Pflegebetten und Pflegehilfsmittel, Rollatoren und einen Rollstuhl erhalten. In einem Ausbildungsraum üben sie zum Beispiel die Lagerung eines Pflegebedürftigen, das Legen eines Katheters und sie entwickeln Ideen für die Beschäftigung mit an Demenz erkrankten Bewohnern.

Von Diane Baatani

Kommentare