Landgericht Lüneburg lädt Zeugen

Café Harder: War Grabung notwendig?

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Seit fast zwei Jahren ist das Grundstück vom ehemaligen Café Harder eine Baugrube.

Uelzen. Das Landgericht Lüneburg will weitere Beweise für die Notwendigkeit von archäologischen Grabungen auf der Baustelle des ehemaligen Café Harder erheben.

Dazu ist für den 9. Oktober eine zweite Verhandlung zwischen der Isernhagener Grabungsfirma, die vor etwa einem Jahr auf dem Grundstück an der Veerßer Straße in Uelzen Arbeiten unter Fachaufsicht des Stadtarchäologen Fred Mahler durchgeführt hatte, und der Beklagten, Grundstücks-Eigentümerin, Renate Kynder Gräfin von Walderdorff, angesetzt worden.

Das Landgericht hat Zeugen und einen Sachverständigen geladen. Hintergrund dafür sind Zahlungsforderungen der Grabungsfirma, denen die Eigentümerin nicht nachgekommen sei. Dabei soll es sich, wie berichtet, um eine offene Summe von 12. 000 Euro handeln, so der Ehemann der Eigentümerin, Friedrich Kynder.

Unterdessen hat die Stadt Uelzen festgestellt, dass das neue Baugesetzbuch die Möglichkeit bietet, gegen „Schandflecken“ wie das Café Harder in der Innenstadt vorzugehen. Das erklärt der städtische Baudezernent Karsten Scheele-Krogull auf AZ-Nachfrage, nachdem es in der jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses eine Anfrage zum aktuellen Stand am Café Harder gegeben hatte. Für Scheele-Krogull ist klar: Bei der aktuellen Finanzlage der Stadt ist ein sogenanntes Baugebot schwer umsetzbar. Eine sechs- bis siebenstellige Summe müsste die Stadt für die Folgen einer solchen Verpflichtung zum Bauen einkalkulieren, erläutert er. Eine Berechnung würde die Verwaltung aber erst durchführen, wenn die Politik die Stadt damit beauftrage.

Durch das neue Baugesetzbuch kann die Stadt abbruchreife Immobilien abreißen lassen und nach der dadurch entstehenden Wertsteigerung dem Eigentümer die Differenz zwischen dem gestiegenen Immobilien-Wert und dem vorigen Wert in Rechnung stellen. Wenn es um Gebäude wie das Café Harder geht, das bereits abgerissen wurde und nun durch eine Baulücke dem Straßenbild schade, bestehe die neue Chance darin, Baugebote auszusprechen. Die Stadt müsste dann den Eigentümer zum Bauen verpflichten.

Das könnte ein langwieriges Widerspruchs- und Klageverfahren zur Folge haben, und wäre die Eigentümerin nicht in der Lage zu bauen, wäre die Stadt verpflichtet, ein Enteignungsverfahren einzuleiten, erläutert Scheele-Krogull. „Und in all diesen Fällen muss die Stadt in der Lage sein, dass sie ihren Verpflichtungen nachkommt.“ Das hieße, im schlimmsten Fall müsste die Stadt das Geld für den Bau bereitstellen, so Scheele-Krogull. Er sieht zunächst die Eigentümerin in der Pflicht: „Für sie ist die Fläche totes Kapital.“

Von Diane Baatani

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