Pastor Reinhard Klingbeil geht nach 22 Jahren in der St.-Marien-Gemeinde in den Ruhestand

Gott als „Freund“ an der Seite

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22 Jahre lang hat Reinhard Klingbeil in Uelzens St.-Marien-Kirche immer wieder Menschen zu Gottesdiensten begrüßen können. Am Sonntag wird er in dem Gotteshaus in den Ruhestand verabschiedet.

Uelzen. Das Bild zeigt das letzte Abendmahl. Die Jünger haben sich um Jesus versammelt. Im Obergeschoss der Propstei hängt das Motiv im Arbeitszimmer von Reinhard Klingbeil. Es war ein unerwartetes Geschenk, wie der St. -Marien-Pastor erzählt.

Vor Jahren traute er ein Paar, das in der Uelzener Obdachlosenunterkunft im Böh wohnte. Braut und Bräutigam waren dem Alkohol verfallen.

Wochen nach der Zeremonie bekam Klingbeil eine Einladung des Paares. Klingbeil gibt zu, damals nichts erwartet zu haben vom Treffen – außer womöglich die Bitte der Vermählten an die Gemeinde nach einer finanziellen Unterstützung. Stattdessen aber wurde er beschenkt. Für ihn sei es einer dieser Weckrufe in seinem Berufsleben gewesen: „Bleib offen für die Menschen.“

Reinhard Klingbeil wird in dieser Woche in den Ruhestand verabschiedet – mit einem Gottesdienst am kommenden Sonntag. Der 65-Jährige erlebte in 38 Jahren als Pastor, 22 Jahre davon in der Uelzener St.-Marien-Gemeinde, viele solcher Aha-Momente, erzählt er. Weitere Motive an den Wänden des Arbeitszimmers berichten davon.

Das Größte ist eine Collage, sie zeigt eine Gottesdienstszene – der Pastor vor vollbesetzten Kirchenbänken. Aus Katalogen wurden junge Gesichter ausgeschnitten und aufgeklebt. Zum einem Geburtstag vor mehr als 30 Jahren während seiner ersten Pfarrzeit habe er das Bild erhalten, sagt Klingbeil. Die übernahm der gebürtige Uelzener nach dem Theologie-Studium in Himmelpforten.

Es sei ein Start „mit Zittern und Zagen“ gewesen, sagt Klingbeil. Was erwartet einen? Was wird von einem erwartet? Damals habe er mit auf den Weg bekommen, dass er sich nicht sorgen müsse: Das Amt trage die Person. Ein Satz, der stimme – wenngleich früher mehr als heute. „Aber ich erlebe nach wie vor, welch großes Vertrauen einem Pastor entgegengebracht wird.“ Am Ende seines Berufslebens sagt Klingbeil: „Die Arbeit hat etwas Beglückendes.“

Aber warum überhaupt Pastor? Die Kinderstube spielte ihre Rolle: „Meine Eltern waren einfache und fromme Menschen.“ Er begeisterte sich für die Heilige Schrift, setzte sich mit der Theologie auseinander. Zweifel an einem Gott kamen ihm nie. Sein Blick auf ihn hat sich in all den Jahrzehnten aber verändert. Heute versteht er ihn als „Begleiter“ und „Freund“ – auch in schweren Stunden, die es im Leben von Reinhard Klingbeil gab. 2010 stirbt seine erste Frau. Der Glaube habe ihm geholfen, solche Momente zu durchstehen.

Der Pastor nennt es ein „großes Glück“ nicht nur Gott, sondern auch wieder einen Ehepartner an der Seite zu wissen. Seine zweite Frau ist Pastorin. Sie steht vor der Frage, wo sie eine neue Pfarstelle bekommt. Reinhard Klingbeil kann sich vorstellen, mit ihr an die neue Wirkungsstätte zu ziehen. Er sei Uelzen im Herzen verbunden, aber fände es spannend im Ruhestand noch einmal ganz Neues entdecken zu können. Und er schließt nicht aus, wieder einmal nach Indien zu reisen. Über ein Hilfsprogramm war er in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in das Land gereist, schloss Freundschaften dort.

Erinnerungen daran hängen an den Wänden seines Arbeitszimmers.

Von Norman Reuter

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