Kritik an Vertragsabschlüssen zur Weiterbeschäftigung von Uelzens Citymanager wächst

Die Gläubiger gemeinsam ausgehebelt?

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Die Vertragsabschlüsse zur Weiterbeschäftigung von Citymanager Joachim Lotz (r.) stehen in der Kritik.

Uelzen. Die umstrittenen Vertragsabschlüsse für die Weiterbeschäftigung von Uelzens City-Manager Joachim Lotz sorgen für heftige Diskussionen in der Uelzener Parteienlandschaft.

„Solides, moralisch vertretbares Geschäftsgebaren sehen wir hier nicht“, schreibt etwa die Fraktionsvorsitzende von „Wir für Uelzen“, Susanne Niebuhr der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG), ins Stammbuch.

Hintergrund für die Debatten ist die Bezahlung des City-Managers durch die WFG, die mehrheitlich eine Tochtergesellschaft der Stadt Uelzen ist. Bis vor drei Jahren erhielt Joachim Lotz für seine Tätigkeit 30 000 Euro jährlich aus Steuergeldern. Als seine Schimmel Papeterie GmbH, an die das Geld floss, Insolvenz anmeldete, beschäftigte die WFG den Citymanager seit dem Jahr 2013 als geringfügig Beschäftigter für 450 Euro weiter. Denn ein Gehalt wäre gepfändet worden, weil Lotz für an die GmbH gezahlte Kredite persönlich bürgt.

Jetzt einigten sich Citymanager und WFG darauf, dass Lotz weiter die 450 Euro bekommt und die Differenz zu den 30 000 Euro auf das Konto einer Marketing& Service Uelzen Unternehmergesellschaft (UG) fließen, die die Frau von Joachim Lotz eigens gegründet hat. „Könnte man sagen, dass die WFG und die Frau-Lotz-UG verhindern, dass Gläubiger des Herrn Lotz ihnen zustehendes Geld bekommen?“, fragt Susanne Niebuhr. Und weiter: „Die WFG hat keine Veranlassung, zumindest zweifelhafte, wenn nicht an der Grenze zur strafrechtlichen Relevanz evtl. vorbeischrammende Praktiken zu initiieren oder auch nur ansatzweise zu unterstützen.“

Der Aufsichtsrat, in dem unter anderem auch Bürgermeister Jürgen Markwardt und Kämmerer Florian Ebeling sitzen, hatte den Vertragsabschluss mit der Untergesellschaft einstimmig genehmigt. Zur Sprache kam nach AZ-Informationen auf dieser Sitzung auch das Thema Scheinselbstständigkeit. Denn die Unternehmergesellschaft von Frau Lotz muss laut Gesetz mehrere Auftraggeber haben. Als ein weiterer neben der WFG wurde im Aufsichtsrat der Handelsverein Uelzen genannt. Doch dessen Vorsitzender Schwenke winkte gestern ab: „Da ist derzeit nichts geplant“, erklärte er auf AZ-Nachfrage.

Ein solcher Auftrag würde neue Fragen aufwerfen: Dennstellvertretender Vorsitzender des Handelsvereins ist Citymanager Joachim Lotz.

Von Thomas Mitzlaff

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