„Merlin“ hat Schinkenwürfel im Stadtwald gefressen / Polizei warnt weiter zu Vorsicht

Dem Gifttod entronnen

Die Polizei warnt davor, Hunde im Wald stöbern zu lassen. Am Wochenende war der Havaneser Merlin aus Westerweyhe dem Tod näher als dem Leben, nachdem er etwas im Wald gegessen hatte. Ob Gift darin war, kann die Polizei noch nicht mit Gewissheit sagen. Foto: dpa

Uelzen-Westerweyhe. Geistesgegenwärtig eingesammelt, sagt Regina Schankweiler aus Westerweyhe, habe sie Schinkenwürfel, die am Ebstorfer Weg im Stadtwald zwischen Uelzen und Westerweyhe am Waldweg lagen. Eigentlich plagten sie da schon ganz andere Sorgen.

Hund „Merlin“ hatte kurz vorher etwas am Boden gefunden und herzhaft zugebissen. An dem Tag, am Donnerstag vergangener Woche, war er dann dem Tode nahe.

Regina Schankweiler (mit Merlin) hat die mutmaßlichen Giftköder an die Polizei Uelzen übergeben. Foto: Hasse

Seit Tagen mehren sich die Befürchtungen von Hundebesitzern in Uelzen und dem Vorort, dass jemand ihre Hunde vergiften möchte. Mitte Januar starb ein Mischlingshund, nachdem er bei der Stadthalle Uelzen unterwegs gewesen war. Anfang dieses Monats entdeckten Betreiber eines Kunsthandwerkermarktes bei der Stadthalle, dass ein älterer Mann Hackfleischbällchen ins Gebüsch warf. Die Bällchen wurden von der Polizei sichergesetellt und werden derzeit noch untersucht. Und jetzt ist Merlin gerade eben dem Tod von der Schippe geprungen, nachdem er offenbar Schinkenwürfel gegessen hatte, die an einem Wander- und Sportweg im Stadtwald lagen. Parallel dazu schrieben auch Uelzener im sozialen Netzwerk „facebook“, dass vergiftete Köder im Waldgebiet südlich von Westerweyhe ausgelegt worden seien. Ein Mitglied will einen älteren Mann mit Stirnlampe und einer dunklen Plastiktüte gesehen haben.

Regina Schankweiler war in Sorge: Zuerst steckte sie dem kleinen Hund den Finger in den Hals, wollte ihn zum Erbrechen bringen, das gelang nicht. Dann brachte sie Merlin, einen viereinhalb Monate alten Havaneser, zur Tierärztin. Die Schinkenwürfel nahm sie mit, zwei Handvoll hatte sie gesammelt. Die Tierärztin bestätigte nach einem schnellen Bioresonanz-Verfahren, dass Rattengift an den Schinkenwürfeln haften könnte, berichtet Schankweiler. Dem Tier gab die Ärztin eine Spritze, sodass er sich erbrach. Das war zwei Stunden nach dem Gassigang im Wald. „Rattengift wird nach 20 Minuten verstoffwechselt“, sagt Schankweiler, ihr Hund hatte also schon Teile des Essens im Blut.

Merlin ist ein kleines, lebhaftes Knäuel Hund. Er hat Teddies, Quietscheentchen und Bälle, mit denen er spielt. Besucher beschnuppert er vorsichtig, bis er Vertrauen fasst. Merlin ging es das Wochenende über mies. Schon am Freitag waren seine Mund- und Magenschleimhäute angegriffen, die Leber auch. Die Ärztin behandelte ihn weiter.

Merlin lebt. „Es geht ihm wieder besser. Seit gestern ist er munter“, sagt sein Frauchen am Dienstag der AZ. Aber die Würfel hat Regina Schankweiler zur Polizei gebracht, die will sie analysieren lassen. Außerdem hat Schankweiler eine Anzeige aufgegeben. Schon im vergangenen November ist ihr ein Hund verstorben, er wurde totgebissen. Sie war zu geschockt um zu handeln. Das will Schankweiler nicht nochmal erleben, jetzt hat sie gehandelt, um auch weitere Hundebesitzer zu warnen. Schon auf dem Weg im Wald seien ihr manche entgegen gekommen, denen sie klar gemacht hatte, dass sie auf ihre Tiere aufpassen sollen.

Kai Richter, Sprecher der Polizei Uelzen, warnt weiterhin davor, Hunde frei laufen zu lassen. „Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Fälle zusammenhängen“, sagt er mit Blick auf die räumliche Nähe zwischen Stadthalle und Stadtwald. „Aber man kann es nicht hundertprozentig bestätigen“, sagt er. Die Polizei wolle nicht vorschnell urteilen, ohne Beweise zur Hand zu haben. Die Ergebnisse aus der genauen Untersuchung auf Gift von den Hackfleischbällchen an der Stadthalle lägen noch nicht vor. „Wir halten die Augen weiter offen. Und wir appellieren, dass mögliche Zeugenaussagen an die Polizei gemeldet werden“, so Richter. Die Polizei ist unter Telefon (05 81) 93 00 zu erreichen.

Auch Karin Rothe, Vorsitzende des Tierheims Uelzen, das auch in der Nähe der betroffenen Bereiche liegt, mahnt derzeit ihre ehrenamtlichen „Gassigeher“ zu erhöhter Aufmerksamkeit. Sie selbst hat noch keine Fälle eines vergifteten Hundes gehabt, sondern es nur über mehrere Ecken gehört. „Für mich ist es krank, Tiere zu vergiften“, meint sie und rät dazu, bei einer möglichen Vergiftung des Hundes sofort zum Tierarzt zu gehen, der könne – wie bei Merlin – eine entsprechende Spritze geben, damit das Tier sich erbricht.

Von Kai Hasse

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