„Giftliste“ wird ausgedünnt

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Die marode Brücke über die Wipperau in der Nähe der Lindenstraße in Uelzen wird nun doch erneuert.

Uelzen. Die „Giftliste“ der Stadt, die die geplanten Investitionskürzungen umfasst, wird weiter ausgedünnt. Jetzt hat der Verwaltungsausschuss (VA) einstimmig beschlossen, die von der Verwaltung vorgeschlagene Streichung einer Ausgabe in Höhe von 70 000 Euro rückgängig zu machen. Stattdessen soll das Geld im aktuellen Stadthaushalt verbleiben.

Die 70 000 Euro sollen für den Neubau der Holzbrücke über die Wipperau in der östlichen Verlängerung der Lindenstraße verwendet werden. Die etwa acht Meter lange Brücke ist an vielen Stellen marode: Die Bohlen weisen Risse und Absplitterungen auf, das Geländer ist zum Teil morsch, der Holzanstrich verwittert. „Die Brücke ist dringend sanierungsbedürftig“, sagt Bürgermeister Otto Lukat und verweist auf die Bedeutung des Bauwerks als Verbindungsweg zwischen Uelzen und Oldenstadt. Aus Kostengründen hätte die Erneuerung aber erst im kommenden Jahr oder später erfolgen sollen.

Zuvor hatte der VA einen weiteren Sparvorschlag der Verwaltung zurückgewiesen. Demnach sollten die Sportvereine der Stadt 2011 nur 41 000 Euro für Investitionen erhalten. Das Gremium bestand aber darauf, dass 50 000 Euro als Zuschuss fließen (AZ berichtete).

Mit den beiden nun vorgenommenen Änderungen verringert sich das geplante Kürzungsvolumen auf der „Giftliste“ um 79 000 auf etwa 471 000 Euro. „Damit erreichen wir das Sparziel aber immer noch“, erklärt Lukat. Denn der Landkreis als Aufsichtsbehörde hatte angeordnet, dass die Stadt wegen ihrer schlechten Haushaltslage und noch nicht geprüfter Jahresabschlüsse in diesem Jahr rund 427 000 Euro an Investitionen einsparen muss.

Für Ralf Munstermann, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, ist der Neubau der Brücke unumgänglich. „Dieser Verkehrsweg ist die Lebensader für Oldenstadt und darf nicht unterbrochen werden“, betont er. Mit der Aufnahme besagter 70 000 Euro in den Etat werde die Einsparliste der Stadt aber keineswegs aufgeweicht, meint Munstermann: „Damit wird die Sparauflage des Landkreises immer noch übertroffen. Außerdem haben wir nur dringend notwendige Baumaßnahmen in den Haushalt aufgenommen.“

Trotzdem glaubt Munstermann, dass die jetzigen Kürzungspläne der Stadt mittelfristig nicht ausreichen werden. „Wir müssen Substanzielles sparen“, sagt er und kündigt an, für die kommende Wahlperiode des Stadtrates eine interfraktionelle Sparrunde zu beantragen.

Auch CDU-Fraktionschef Stefan Hüdepohl spricht sich für den Neubau der Wipperau-Brücke und die entsprechende Kürzung der „Giftliste“ aus. „Die Investition wurde im vergangenen Jahr schon einmal verschoben und ist dringend notwendig. Ansonsten müsste die Brücke spätestens im Herbst gesperrt werden“, erklärt er. Doch das wäre für Hüdepohl undenkbar: „Die Brücke ist der Hauptverbindungsweg für Radfahrer, vor allem für Schüler.“

Von einem Aufweichen der „Giftliste“ kann auch nach Ansicht von Hüdepohl keine Rede sein. „Ich glaube, der Kämmerer ist mit den Sparvorschlägen bewusst so hoch herangegangen, weil er weiß, dass es ein oder zwei Positionen gibt, über die man nicht hinwegkommt“, meint er.

Von Bernd Schossadowski

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