Gewürgt und in den Sitz gedrückt

Mehr als die Hälfte der Fahrgastbetreuer bei der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom sind weiblich – auch sie bleiben von Anfeindungen durch Reisende nicht verschont.Archivfoto: dpa

Uelzen/Hannover - Von Sarah Pancur. Es war einer der ersten schweren tätlichen Angriffe auf das Zugpersonal der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom: Vor knapp einem Jahr hatte ein 58-jähriger Brite in einem Zug von Uelzen nach Hannover eine damals 37 Jahre alte Schaffnerin attackiert und und gewürgt, bis andere Fahrgäste der Frau zur Hilfe eilten. Die Kontrolleurin erlitt eine Schädelprellung und Kratzspuren am Hals. Seit gestern muss sich der Täter vor dem Amtsgericht Hannover wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Zudem soll er bei seiner Festnahme versucht haben, Polizisten zu treten und zu beißen. Er habe diese auch beschimpft, so die Anklage.

Die Vorsitzende Richterin entschied, zunächst ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des Angeklagten einzuholen, da der 58-Jährige an einer manisch depressiven Erkrankung leidet. Der Verteidiger erklärte, sein Mandant leide auch unter schwerer Arthrose. Er nehme sowohl Psychopharmaka als auch starke Schmerzmittel. Zur Tatzeit habe der Brite vergessen, seine Medikamente zu nehmen. Deshalb habe er sich in einer Ausnahmesituation befunden. Für den in Paderborn lebenden 58-Jährigen war schon im Jahr 2007 ein Betreuer benannt worden, der für ihn bis heute alle Amts- und Gesundheitsangelegenheiten regelt.

Bei einer routinemäßigen Fahrscheinkontrolle hatte der Angeklagte der Kontrolleurin seinen in Plastikfolie eingeschweißten Schwerbehindertenausweis gezeigt. Die Schaffnerin wies den Mann darauf hin, dass dies nicht zulässig sei. Er sollte innerhalb von zwei Wochen einen nicht eingeschweißten Ausweis bei einer Metronom-Geschäftsstelle vorzeigen und eine Bearbeitungsgebühr von sieben Euro zahlen. Darüber habe er sich so aufgeregt, dass er aufgesprungen und ihr an den Hals gegangen sei, sagte das Opfer. „Er hat zugedrückt und mich in den Sitz gedrückt. Dann kamen mir Fahrgäste zu Hilfe“. Am Hauptbahnhof in Hannover sei der Mann festgenommen worden.

Seit dem Vorfall befindet sie sich in psychologischer Behandlung. Sie ist jetzt im Innendienst tätig.

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