Gewürgt bis zur Bewusstlosigkeit

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Mit brutaler Gewalt, wie in dieser nachgestellten Szene, soll der Angeklagte junge Frauen überfallen haben.

tm Uelzen/Lüneburg. „Es gibt nur einen Täter für alle sechs Überfälle und hier auf der Anklagebank sitzt der falsche Mann.“ Verteidiger Bernd Manning beginnt den Prozess gleich mit einer Art Plädoyer. Zuvor hat er die Anklage der Staatsanwaltschaft gehört und die hält er für unvollständig, weil – so kurios es klingt – sich sein Mandant Dennis M. darin nur für drei Überfälle verantworten muss.

Doch es sei eine Serie von sechs Überfällen in der Uelzener Innenstadt gewesen, erinnert Manning. Zumindest drei davon könne M. aber nicht begangen haben, weil er entweder ein Alibi hatte oder die Täterbeschreibung deutlich von dem Aussehen des 29-Jährigen abweiche. Das seien entlastende Fakten, die die Staatsanwaltschaft nicht berücksichtigt habe, kritisiert der Uelzener Verteidiger: „Die Vorgehensweise spricht dafür, dass alle Überfälle von einem Mann begangen worden sein müssen, damit ist mein Mandant entlastet.“

Die Staatsanwältin sieht das anders. Sie schildert die drei vor dem Landgericht zur Verhandlung stehenden Überfälle, die auch wegen ihrer Brutalität für erhebliche Unruhe in Uelzen sorgten und die Kripo zum Ratschlag an Frauen veranlassten, nachts nicht allein den Heimweg anzutreten.

An der Schillerstraße wurde am Neujahrsmorgen 2010 um 3.45 Uhr eine 16-Jährige auf dem Heimweg unmittelbar vor ihrem Zuhause von hinten zu Boden gerissen. Die junge Frau stürzt mit dem Kopf auf das Pflaster, der Angreifer würgt sie bis zur Bewusstlosigkeit. Der Täter reißt dem wehrlosen Opfer die Kleidung vom Körper, nimmt sexuelle Handlungen an ihr vor. Der Frau gelingt es, an ihrer Haustür zu klingeln. Als ein Verwandter öffnet, flieht sie in den Hausflur, der Angreifer flüchtet.

In der Nacht zum 7. Februar soll Dennis M. laut Anklage nachts am alten Rathaus herumlungern, als eine 15-Jährige vorbeikommt. Er sei der Jugendlichen bis zur Scharnhorststraße gefolgt, dort habe er sich auf sie gestürzt und fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Der Angreifer drohte der 15-Jährigen, sie zu erschießen, wenn sie keinen Sex mit ihm habe. Es hagelt Schläge auf ihren Kopf, schließlich flüchtet der Täter mit der Handtasche des Opfers.

In der Nacht zum 1. August 2010 dann der letzte Überfall. Eine 23-Jährige ist auf dem Heimweg von einer Discothek an der Dieterichsstraße, als sie an der Gartenstraße von hinten angefallen und brutal gewürgt wird. Die Frau kann zunächst ohne Schuhe flüchten, doch der Angreifer ist schneller, folgt ihr, springt sie erneut an und würgt sie wieder. Schließlich gelingt ihm die Flucht, Dennis M. wird wenig später in Tatortnähe festgenommen – schon zum zweiten Mal. Diesmal erlässt das Amtsgericht Haftbefehl gegen den 29-Jährigen.

Der Prozess wird am morgigen Mittwoch mit der Anhörung eines Opfers fortgesetzt. Insgesamt hat die 2. Große Strafkammer 20 Zeugen geladen.

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