Gewissensfrage für Gemeinden

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Ausgebremst: Weil die Mitgliedsgemeinden sich weigern, Betriebskostenzuschüsse für „ihre“ Kinder in der Ebstorfer Krippe zu übernehmen, tut sich der Flecken Ebstorf mit der Aufnahme dieser Kleinen schwer.

Ebstorf. „Wenn wir uns nicht öffnen, müssen wir uns gar nicht über mangelnden Zuzug junger Familien wundern.“ Heiko Senking, Unabhängige Wählergemeinschaft Ebstorf (UWE), brach am Dienstagabend eine Lanze für die Aufnahme gemeindefremder Kinder in die Ebstorfer Kinderkrippe. Man müsse ein Signal setzen, appellierte er. Ein entsprechender – und recht komplizierter – Antrag der SPD (siehe Kasten) für die Aufnahme von Mädchen und Jungen außerhalb des Fleckens Ebstorf wurde an diesem Abend denn auch mehrheitlich beschlossen. Von Ines Bräutigam

Alle seien für das Wohl der Kinder, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Ulf Schmidt. Aber eine Aufnahme gemeindefremder Kinder dürfe nicht allein zu finanziellen Lasten des Fleckens Ebstorf ausfallen. „Die Gliedgemeinden dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen“, forderte Schmidt, denn würden sie nicht den erforderlichen Zuschussbedarf zahlen, bleibe der Flecken allein darauf sitzen. „Die lassen uns einfach verhungern und sitzen das aus“, schimpfte Schmidt, „und das ist nicht in Ordnung. Wir allein können uns diesen Luxus nicht leisten.“

Eleonore Ginkowski (SPD) stimmte den Bedenken grundsätzlich zu. Deshalb forderte sie auch, weitere Gespräche mit den Mitgliedsgemeinden auf Übernahme der Kosten zu führen. Doch eine Aufnahme fleckenfremder Kinder in die Krippe dürfe nicht davon abhängig gemacht werden, ob eine Mitgliedsgemeinde den Kostenzuschuss übernehme oder nicht.

Und genau das sehen die Christdemokraten anders. Denn für einen Halbtagsplatz wären – bei Vollbelegung der Gruppen – immerhin 72 Euro pro externem Kind und Monat Zuschuss zu berappen, bei einem Ganztagsplatz 61 Euro. Die Zahlen gehen von einem 43-prozentigen Landeszuschuss aus und davon, dass alle Kinder der Gruppe gemeindefremd sind und die Eltern somit den Höchstbeitrag zahlen. Je weniger Kinder insgesamt und je mehr gemeindeeigene Kinder in den Gruppen sind, desto höher wird auch der Zuschussbedarf ausfallen. Das hatte zuvor Abteilungsleiter Peter Vogt vom DRK-Kreisverband als Betreiber der Ebstorfer Kinderkrippe vorgerechnet.

Weder Ebstorfs Gemeindedirektor Torsten Wendt noch Ordnungsamtsleiter Lothar Jessel machten den Ratsmitgliedern allerdings Hoffnung, dass die Gliedgemeinden die Zuschusszahlungen übernehmen. In „sehr zähen Gesprächen“, so Wendt, habe es keinerlei Hinweise auf eine Akzeptanz dieser Forderung gegeben.

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