Gewalt gegen Beamte nimmt zu: Viele Ausraster durch psychisch Erkrankte

Neue Gefahren für Polizei

+
Symbolfoto

Uelzen. Die Zahl der Angriffe auf Polizisten ist im Jahr 2012 bundesweit gestiegen. Das geht aus einer Studie des Bundeskriminalamtes hervor. Auch in Niedersachsen soll es im vergangenen Jahr über 3100 gewalttätige Übergriffe gegeben haben – also fast neun pro Tag.

Im Landkreis Uelzen hat die Polizei erst in der vergangenen Woche einen solchen Vorfall erlebt, als ein Mann in Brockhöfe mit einem Hammer auf Beamte losging (AZ berichtete). Der Mann war daraufhin überwältigt und zur psychiatrischen Behandlung in eine Klinik eingewiesen worden. Dieser Fall ist typisch für die Entwicklung im Landkreis, sagt Ralf Munstermann, Leiter des Streifendienstes der Polizei Uelzen.

Die Zahl der Fälle, bei denen psychisch Erkrankte ausrasten und zur Bedrohung für Polizeibeamte werden, steige. Dazu gehören Einsätze wie im Juli an der Hauenriede, als ein Bewohner vom Spezialeinsatzkommando der Polizei überwältigt wurde, und der Fall eines 48-Jährigen, der in einem Kleingarten in Uelzen mit einer Axt seine Ex-Freundin angriff. Und Anfang Juli war am Mühlenweg ein Beamter von einem 53-jährigen Betrunkenen am Ohr verletzt worden, die Wunde musste, wie berichtet, mit mehreren Stichen genäht werden.

Die Auswirkungen des demografischen Wandels seien auch bei der Arbeit der Polizei zu spüren. So gebe es zwar weiterhin sehr viele Körperverletzungen, aber: „Wir haben weniger diese typischen Wirtshausprügeleien“, fasst Munstermann zusammen. Stattdessen werde die Polizei immer häufiger mit Widerstand von psychisch Erkrankten konfrontiert.

„Das sind besondere Gefahrensituationen, die uns zu schaffen machen.“ Er führt den Anstieg auf Drogen, Alkohol und Medikamentenmissbrauch zurück. Für ihn und seine Kollegen jedenfalls bedeute das, dass sie gut vorbereitet sein müssen – durch Schutzwesten und spezielle, regelmäßige Trainings. Voraussetzung dafür sei aber auch genügend Personal bei der Polizei, betont er. „Je weniger Polizei auf die Straße kommt, desto größer ist auch die Gefahr.“

Seit 2010 hat der Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte zugenommen. Während vor drei Jahren innerhalb der Polizeiiinspektion Lüneburg/Uelzen/Lüchow-Dannenberg noch 78 Mal Widerstand geleistet wurde, zählte die Polizei im vergangenen Jahr 105 Fälle. Doch wenn gegenüber der Polizei Gewalt verübt wird, ohne dass die Beamten gegen jemanden vorgehen wollten, fallen die Taten nicht in diese Kategorie. Die Zahl der Angriffe kann also noch weitaus höher liegen.

„Der Respekt und die Achtung gegenüber Vertretern des Staates sinkt scheinbar immer weiter“, sagt Thomas Kliewer, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), zu der Situation. „Bundesweit gab es bei gewalttätigen Übergriffen gegen Polizisten eine Steigerung von fast zehn Prozent. Das muss endlich aufhören“, fordert er.

Von Diane Baatani

Kommentare