Getötet aus „Mordlust“

So präsentierte sich Jan O. (rechts) im Internetportal Netlog. Dort nannte er sich „kingjany“. Unter seinen 20 Online-Freunden befanden sich zahlreiche Teenagerinnen unter 18 Jahren.

Uelzen/Bodenfelde - Von Thomas Mitzlaff. Zwei Teenager sind tot, der mutmaßliche Täter sitzt wegen Mordes in Untersuchungshaft. Die Polizei hat Beweise – aber keine Klarheit, warum die 14-jährige Nina und der 13 Jahre alte Tobias sterben mussten. Und auch rund 200 Kilometer weiter in Uelzen machen sich viele Menschen Gedanken darüber, wie es dazu kommen konnte, dass der 26-jährige Jan O. zwei junge Menschen aus Mordlust getötet haben soll.

In Uelzen kennen viele den mutmaßlichen Täter, „seit 2002 ist er sehr häufig als Tatverdächtiger hier aufgetreten“, sagt Kripochef Jan-Olaf Albrecht. Von Fahrraddiebstählen über Körperverletzungen bis zu Einbrüchen reicht die Palette der rund 70 Straftaten, schon seit der 2. Klasse habe er massive Probleme mit seinem Sohn gehabt, schildert der Vater gegenüber der AZ. Übermäßiger Alkohol- und Drogenkonsum prägen den Alltag von Jan O. 2007 wird er vom Amtsgericht wegen diverser Eigentumsdelikte zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, das Landgericht bestätigt das Strafmaß – dann verliert sich seine Spur in Uelzen.

Der Fall Jan O.: Stationen einer kriminellen Jugend

Jetzt sitzt Jan O. wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Die Mordkommission ist überzeugt, dass der Uelzener der Doppelmörder von Bodenfelde ist. Der Ermittlungsrichter in Northeim erließ Haftbefehl wegen Mordes in zwei Fällen, begangen aus „Mordlust“. Dennoch ist der Fall für die Ermittler nicht abschließend geklärt. Denn warum der arbeitslose 26-Jährige die beiden jungen Menschen, zu denen er vorher wohl keinerlei Beziehung hatte, umbrachte, bleibt ein Rätsel. Der Leiter der Mordkommission, Hartmut Reinecke, geht davon aus, „dass der Täter psychisch gestört ist“.

Das glaubt auch der Vater des Verdächtigen, der bis heute in Uelzen lebt. „Er war irgendwie schon immer krank im Kopf“, schildert er der AZ. Jan habe sein gesamtes Umfeld terrorisiert, „wir wurden einfach nicht mehr mit ihm fertig“, sagt der 52-Jährige, der heute selbst in psychiatrischer Behandlung ist.

Offenbar gab es viele Versuche, das Leben von Jan O. in geordnete Bahnen zu lenken. Der psychiatrische Dienst und das Jugendamt wurden eingeschaltet, Heimunterbringungen und eine für zwei Jahre angesetzte Therapie mit Betreuern in Griechenland blieben erfolglos – der junge Uelzener brach sie ab. Stattdessen brach Jan O. in Gartenlauben, Lagerschuppen und Kioske ein, „er besorgte sich dort alles, was man zum Leben braucht oder zu Geld machen kann“, heißt es in Ermittlungskreisen. Jan O. drohte sogar damit, das Elternhaus anzuzünden, Vater und Mutter sowie die Behörden verloren offenbar immer weiter die Kontrolle über ihn.

Das bewegende Interview mit Jans Vater

„Mordlust als Tatmotiv für schwere Gewaltverbrechen ist sehr selten“, sagt Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner. Von Mordlust spreche man, wenn ein Täter „im Tötungsvorgang selbst Befriedigung findet, wobei die Opfer austauschbar sind“. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gibt. Das sei nötig, sagt der Vater: „Denn er ist krank, da habe ich keinen Zweifel.“

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