Kommissarischer Agentur-Chef Bernd Passier will in Uelzen altbewährte Schwerpunkte fortsetzen

Das Gesundheitswesen als Chance

Bernd Passier ist seit 2005 Chef der Lüneburger Agentur für Arbeit. Seit vier Wochen hat er auch die kommissarische Leitung des Uelzener Arbeitsamtes inne. Foto: Wendlandt

Uelzen. Ein neues Gesicht ist zweimal wöchentlich in der Uelzener Agentur für Arbeit zu sehen: Bernd Passier leitet kommissarisch den Standort, seit die Vorgängerin Kerstin Kuechler-Kakoschke nach Hannover gewechselt ist.

Damit spiegelt die Situation im Arbeitsamt schon wider, wie es dort ab dem 1. Oktober aussehen wird. Denn dann wird der hiesige Standort mit den Lüneburger, Harburger und Lüchow-Dannenberger Sitzen fusionieren. Es entsteht ein gemeinsamer Agenturverbund mit Sitz der Verwaltung in Lüneburg, wo Passier bereits seit 2005 die Leitung inne hat.

Vier Landkreise, das heißt vier unterschiedlich strukturierte Arbeitsmärkte. Was wird sich durch die Umstrukturierung der Agentur vor Ort verändern? „Uelzen wird eine größere Geschäftsstelle mit Sitz in Lüneburg sein. Es gibt keinen Abbau von Mitarbeitern“, betont Passier. „Eine Handvoll Mitarbeiter“ wechsele nach Lüneburg, aber: „Für den Kunden ändert sich nichts.“ Der Kunden-Service für Arbeitssuchende bleibe in der bestehenden Form in Uelzen erhalten, auch das im Januar eingeführte Jobcenter werde nicht verändert. Die Führungsposition werde weiterhin Manfred Garm inne haben.

Intern gebe es in der Agentur aber die größten Einschnitte. Die aus drei Personen bestehende Geschäftsführung in Uelzen ist bereits aufgelöst. Der Platz der Geschäftsführerin, die für den operativen Teil zuständig war, wurde nicht neu besetzt, seitdem Christine Karstens eine neue Stelle in Hannover angetreten hat. Auch der Geschäftsführer im Bereich Finanzen sei nicht mehr vor Ort. Nach der Fusion wären drei Büros in Lüneburg und Uelzen doppelt besetzt: Die Geschäftsführung, der Schreibtisch einer Kollegin, die für die „Belange der Frauen“ zuständig sei und die Pressestelle. Alle drei Bereiche werden ebenfalls in Lüneburg angesiedelt. Wer zum Beispiel die Arbeit in der Pressestelle künftig ausführt, ist aber noch nicht klar. Auch Passiers Leitungsposition muss im Oktober zunächst von dem dann neu gegründeten Verwaltungsausschuss neu beschlossen werden.

„Es sind sehr unterschiedlich strukturierte Landkreise miteinander vereint.“ In Lüneburg sei beispielsweise der Einzelhandel stärkster Arbeitgeber, zudem gebe es viele Stellen im Baubereich und bei Bildungsträgern. Im Landkreis Uelzen floriere hingegen der Gesundheitsbereich. Aufgrund des demografischen Wandels sei es positiv, wenn das Pflegeangebot ausgebaut werde. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für Uelzen“, sagt Passier.

„Hier ist in der Vergangenheit sehr gute Arbeit geleistet worden, die Mannschaft hier hat sehr gut funktioniert“, lobt er, „es wurden einige Schwerpunkte gesetzt, die ich gerne fortsetzen würde.“ Projekte wie das Berufsorientierungsprogramm „Quest“ seien erfolgreich. „Die Aufmerksamkeit wird darauf liegen, dass möglichst wenige Leute von den Schulen abgehen, ohne einen Schulabschluss.“ Dazu setze er auch auf die Zusammenarbeit in Netzwerken. Mit den möglichen Mitteln wolle er versuchen, „den demografischen Wandel zu flankieren und den Fachkräftemangel zu decken“. Die Finanzmittel sollten auch künftig so verteilt werden, „wie sie gebraucht werden.“ Trotz eines größeren Gebietes will der kommissarische Chef auf den „engen Draht“ setzen: „Wir werden versuchen, alle Termine vor Ort wahrzunehmen.“ Angesichts einer „womöglich bevorstehenden nächsten Kreisreform“ und dem Wunsch der Arbeitnehmer, nicht mehr Abgaben leisten zu müssen als unbedingt nötig, gebe es keine andere Chance als die anstehende Fusion der Agenturen.

Von Diane Baatani

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