Katja Konwer ist lebertransplantiert – im Interview spricht sie über die neue Ausweis-Regelung und Gedankenlosigkeit

Ein Geschenk fürs Leben

+

Die Menschen in Deutschland sollen sich künftig stärker mit dem Thema Organspende befassen. Vor kurzem nahm die parteiübergreifend unterstützte Neuregelung der Organspende im Bundesrat die letzte parlamentarische Hürde.

Damit wird jeder Bürger ab 16 Jahre künftig regelmäßig per Brief aufgefordert, freiwillig eine Erklärung über seine Bereitschaft zur Organspende abzugeben. Im Interview mit AZ-Redakteurin Ines Bräutigam stellt die Bienenbüttelerin Katja Konwer, die im März 2006 eine Spenderleber erhielt und seitdem mit diesem Organ lebt, ihre Sicht auf die Dinge dar.

AZ: Frau Konwer, die Zahl der Spenderorgane in Deutschland soll erhöht werden – die Bürger sollen nun regelmäßig per Brief zu ihrer Spendenbereitschaft befragt werden. Wie sinnvoll finden Sie das?

Konwer: Die Initiative ist sicher ganz gut, ob sie aber einen Effekt haben wird, ist aus meiner Sicht fraglich. Ich kann da nur von mir ausgehen: Post, die da unaufgefordert ins Haus flattert, legt man doch schnell mal einfach zur Seite. Vor allem, wenn man sieht, dass es um ein Thema geht, das einen aktuell ja gar nicht betrifft.

Haben Sie diese Erfahrung schon öfter gemacht, dass sich Menschen erst dann mit dem Thema Organspende befassen, wenn sie selbst davon betroffen sind?

Ja, auf jeden Fall. Aber ich kann jedem nur ans Herz legen, sich unabhängig davon mit diesem Thema zu beschäftigen und sich zu informieren.

Wenn ein regelmäßiges Anschreiben aus Ihrer Sicht den gewünschten Effekt nicht hat – wie bekommt man dann das Thema Organspende(ausweis) in die Köpfe der Menschen?

Zum Beispiel mit direkter Ansprache. Andere Betroffene und ich haben den Treff für Transplantierte im Landkreis Uelzen gegründet und sind regelmäßig zu Veranstaltungen eingeladen, zum Beispiel bei den Landfrauen. Bei solchen Anlässen merkt man dann, dass das Interesse groß ist und die Menschen ansprechbar für das Thema sind. So etwas sollte man viel öfter machen. Wenn Ärzte oder andere Offizielle das Thema Organspende ansprechen, ist es etwas anderes, als wenn die Menschen es von direkt Betroffenen hören.

Und entscheiden sich dann auch Menschen für einen Organspendeausweis?

Wir haben immer Infoheftchen dabei. Jeder sollte sich das erst einmal mit nach Hause nehmen und in Ruhe mit dem Thema befassen und sich nicht gleich mit dem Ausfüllen eines Orgenspende-Ausweis-Formulars überrumpeln lassen. Im Übrigen ist noch nicht einmal ein offizieller Ausweis erforderlich, wenn man seine Organe spenden möchte – ein einfaches weißes Stück Papier, auf dem man seinen Willen erklärt, genügt schon.

Welche Unsicherheiten stellen sie bei den Menschen fest, mit denen Sie reden?

Viele denken, sie müssen sich irgendwo registrieren lassen, um einen Organspende-ausweis zu bekommen. Dem ist aber nicht so. Das entscheidet jeder für sich und macht jeder für sich selbst. Wir stellen fest, dass oft nicht einmal in den Familien über das Thema gesprochen wird. Dabei ist es so wichtig zu sagen: Mein Wille ist das. Auch für die Angehörigen ist es dann im Ernstfall leichter, weil der Gestorbene erklärt hat, seine Organe spenden zu wollen. Die Entscheidung müssen sie dann nicht treffen.

Was halten Sie von der Widerspruchsregelung wie es sie in anderen Ländern, wie zum Beispiel Österreich, gibt: Jeder, der seine Organe NICHT spenden möchte, sollte dies erklären?

Das finde ich gut! Auch wenn ich nichts davon halte, Druck auszuüben – aber dann müssen sich die Leute mit diesem Thema auseinandersetzen. Der Effekt ist auf jeden Fall vorhanden: In anderen Ländern wird viel mehr transplantiert als hier in Deutschland.

Was möchten Sie den Menschen, die in Sachen Organspende unsicher sind, gern mit auf den Weg geben?

Die Leute sollten ganz allgemein nicht so gedankenlos sein. Jeder sollte sich einmal die Frage stellen, ob er selber ein Spenderorgan haben wollen würde, wenn er betroffen wäre. Beantwortet er die Frage mit Ja, dann müsste er auch im Umkehrschluss bereit sein, selber Organe zu spenden. Natürlich gibt es welche, die sagen: Ist doch egal, ich brauche keine fremden Organe.

Ist es wirklich so einfach?

Nein, wenn es darum geht, dann will man doch am Leben bleiben. Als ich auf dem OP-Tisch gelegen habe, hatte ich mit allem abgeschlossen und gedacht: Wenn ich nicht wieder aufwache, dann ist es eben so. Und heute bin ich so froh und dankbar, dass ich am Leben bin. Ich kann also immer nur sagen: Informiert euch! Vor allem die Internet-Seite www.fuers-leben.de kann ich empfehlen – da gibt es verständliche Informationen, auch für Jüngere.

Sie selber haben wahrscheinlich auch einen Organspende-Ausweis...?

Ja, seitdem ich 16 bin. Damals konnte ich mir natürlich gar nicht vorstellen, dass ich selber einmal betroffen sein würde. Mich hat das Thema da einfach interessiert.

Sie leben nun seit sechs Jahren mit einer Spenderleber. Was geht dieser Tage in Ihnen vor? Wir verraten es einfach mal: Sie feiern ja heute Ihren 40. Geburtstag...

Kurz nach der Transplantation hatte ich das Gefühl, dass die Leber einem männlichen Spender gehört hat. Das hat sich dann auch so bewahrheitet. Es war ein jüngerer Spender. Und ich bin dessen Eltern, die wahrscheinlich damals die Entscheidung getroffen haben, das Organ zur Verfügung zu stellen, unendlich dankbar. Das ist ein so gutes Geschenk!

Kommentare