Gesamt- und Oberschule parallel?

Eins und Eins ergibt Eins?: Über die Frage, ob eine Oberschule oder eine Integrative Gesamtschule (IGS) die Bildungsherausforderungen besser lösen kann, und inwieweit die Eltern dazu befragt werden sollen, berät heute der Schulausschuss der Stadt Uelzen. Foto: dpa

Uelzen. Vor der heutigen Sitzung des Schulausschusses der Stadt, der über eine Elternbefragung für die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) am Standort der bisherigen Theodor-Heuss-Realschule entscheiden wird, plädiert der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Jacques Voigtländer, für einen „Schulkonsens“. Für den Sozialdemokraten besteht der in einem Nebeneinander einer neugegründeten IGS in Uelzen, der KGS in Bad Bevensen und der Bildung von Oberschulen in den ländlichen Schulstandorten des Kreises, „wo dies sinnvoll und finanzierbar ist“.

„Ich stehe dem Modell einer Oberschule nicht ablehnend gegenüber“, äußert sich Voigtländer im aktuellen Schulstreit vermittelnd. Allein mit der Zusammenfassung von Haupt- und Realschulen zu Oberschulen entstehe indes „kein zusätzliches gymnasiales Angebot für die Fläche“, bemängelt er eine ausschließliche Fixierung auf die von der CDU/FDP-Mehrheit im Landtag propagierte neue Schulform. Deren Möglichkeit eines gymnasialen Zweiges hält der Sozialdemokrat im Landkreis aufgrund zu geringer Schülerzahlen für „wenig realistisch“.

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Eine Integrierte Gesamtschule in Uelzen könnte durch eine enge Zusammenarbeit mit Außenstandorten – etwa in Suderburg – auch „reizvolle neue Modelle“ ermöglichen, glaubt Voigtländer.: „So könnten berufsorientierende und Berufsabschlüsse durch die Berufsbildenden Schulen I und II ermöglicht werden. Vor dem Hintergrund von tollen Studentenzahlen in Suderburg mit der Fachhochschule schaffen wir so ein Alleinstellungsmerkmal im Landkreis, das seinesgleichen sucht.“

Im Zuge der Diskussion um die künftige Schulstruktur plädiert der SPD-Fraktionschef auch dafür, die Ausnahmegenehmigung für eine unbegrenzte Zahl von Eingangsklassen an der Kooperativen Gesamtschule in Bad Bevensen aufzuheben. Viele Jahrgänge hätten inzwischen mehr als zehn Klassen. In dieser Größe sei ein sinnvoller Schulbetrieb nicht mehr steuerbar. Wenn diese Ausnahmesituation aufgehoben werde, böten sich auch für Uelzens Schullandschaft neue Möglichkeiten. Voigtländer: „Ich gehe dabei davon aus, dass die CDU zu ihren Wort steht und eine Elternbefragung im gesamten Landkreis nicht behindert, sondern befördert.“

Angesichts der aktuellen Entwicklung hat der Uelzener Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen seine Forderung erneuert, in Uelzen eine IGS zu gründen – „eventuell mit Außenstellen, um Schulstandorte zu erhalten“. Die Grünen erwarten, dass das gemeinsame Lernen bis Klasse 9 „mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit im Bildungsbereich“ ermöglicht.

Uelzens Stadtverwaltung geht von einem regen Interesse an der heutigen Debatte über die Elternbefragung aus – sie hat die Sitzung des Schulausschusses, die um 16 Uhr beginnt, in den Ratssaal verlegt.

Von Marc Rath

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