48-Jähriger Uelzener verantwortet sich vor Landgericht wegen Überfall auf Spielhalle

Geld der Kinder im Casino verspielt

Diese Spielhalle an der Uelzener Hansestraße hatte der Angeklagte im Dezember 2011 überfallen. Archivfoto: Wendlandt

Uelzen/Lüneburg. Es ist nach Mitternacht, als die Uelzener Polizei in der Nacht zum 11. Dezember zu einem Überfall in eine Spielhalle an der Hansestraße gerufen wird.

Ein mit einem schwarzen Schal vermummter Mann hatte die Aufsichtsperson, die gerade abschließen wollte, mit einer Schreckschuss-Pistole bedroht: „Das ist ein Überfall, gib’ das Geld her“, soll er laut Aussage der Mitarbeiterin gesagt haben. Als die Polizei den Mann kurz darauf fasst, muss der Mann zunächst in die Psychiatrie eingeliefert werden, wo er seit März wegen einer einstweiligen Anordnung zur Unterbringung beobachtet wird. Seit gestern sitzt der 48-jährige Familienvater auf der Anklagebank des Landgerichts Lüneburg.

Dort bittet er den Vorsitzenden Richter, seine Geschichte von Anfang an erzählen zu dürfen: Als er 1993 nach Deutschland gekommen sei, erzählt der Mann mit russischer und deutscher Staatsangehörigkeit, sei er krank geworden und konnte nicht mehr arbeiten. Um eine Rente zu erhalten, so erzählt er den Richtern der 4. Strafkammer in Lüneburg, habe er seinen Ärzten erzählt, er höre Stimmen und sei depressiv.

Immer wieder betont der Familienvater im Verlauf seiner geständigen Aussagen, wie peinlich es ihm gewesen sei, Ehefrau und Kinder zu belügen und zu bestehlen, um nach der Arbeit heimlich im Automaten-Casino den letzten Cent zu verspielen. Sogar vor dem Taschengeld seiner Kinder machte er nicht Halt, „und als mein Sohn seine Gitarre bei Ebay verkaufen konnte, wurde der Erlös auf mein Konto überwiesen und ich nahm es, ohne etwas zu sagen“.

In der Tatnacht sei er – inzwischen bei seiner Familie in Uelzen ausgezogen – mit dem Kostgeld, das seine Lebensgefährtin für ihre Kinder zur Seite gelegt hatte, zur Spielbank gefahren. „Ich habe dann den Überfall inszeniert, damit man mich verhaftet und einsperrt“, versichert er Richtern und Staatsanwalt. „Die Mitarbeiterin hat gelacht, als ich ihr die Pistole hingehalten habe“, versucht er eine banale Situation zu schildern, „die hat mich doch gar nicht ernst genommen.“

Seiner Lebensgefährtin soll er laut Polizeiprotokollen noch in der Tatnacht berichtet haben, dass er sich das ganze Geld wieder holen wolle, das er dort schon verspielt habe. Davon weiß seine in den Zeugenstand gerufene Lebensgefährtin gestern allerdings nichts mehr. Weitere Zeugen standen am ersten Prozesstagnicht zur Verfügung. Gegen zwei Zeuginnen, die trotz ordnungsgemäßer Ladung ohne Angabe von Gründen nicht erschienen waren, verhängte das Gericht ein Ordnungsgeld in Höhe von 300 Euro, „im Falle der Uneinbringlichkeit“, so der Vorsitzende Franz Kompisch, „zwei Tage Ordnungshaft.“

Ob dem Angeklagten nun wegen einer psychischen Erkrankung die Unterbringung in der Psychiatrie oder wegen nachgewiesener Schuldfähigkeit Haft droht, werden die nächsten Prozesstage ergeben. Denen wird der psychiatrische Sachverständige mit großer Aufmerksamkeit beiwohnen.

Von Angelika Jansen

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