Weitere Hintergründe: Welche Rolle spielen die Angehörigen des Angeklagten Robert K. beim Totschlags-Prozess?

Gedächtnislücken auf Zeugenstuhl

Viel Gesprächsstoff bietet der Prozess für die beiden Verteidiger Martin Schaar (links) und Volker König. Foto: Mitzlaff

Uelzen/Lüneburg. Der Zeuge ist etwas spät dran gestern im Prozess gegen Ismail N. und Robert K. . 20 Minuten gibt es keine Spur von dem 20 Jahre alten Auszubildenden, dann betritt er doch noch Saal 121 des Lüneburger Landgerichtes.

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Treffen mit Zeugen in der Kneipe

Und mit ihm erscheint auch der Vater des Angeklagten K. im Zuschauerraum – auch er hat sich 20 Minuten verspätet. Der Prozess wegen versuchten Totschlags gegen zwei 19-jährige Uelzener vor der 1. Großen Jugendkammer ist die eine Geschichte. Doch es gibt noch eine zweite – und die spielt sich eben nicht in Saal 121, sondern außerhalb ab. Und wo der Ausgang des Verfahrens letztlich entschieden wird, scheint nach dem nunmehr sechsten Verhandlungstag offener denn je.

Mit einer Flasche soll Ismail N. in der Nacht zum 2. Juli brutal einen 41-jährigen Kneipengänger niedergeknüppelt haben. Robert K. werden Tritte auf den Kopf des wehrlos am Boden liegenden Opfers vorgeworfen. Beide sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Und diverse Zeugen, die viele Details jener Nacht schildern, offenbaren eklatante Erinnerungslücken, wenn es um Robert K. geht. Ob der überhaupt am Tatort war? Schulterzucken. Dass man ihn doch aber auf Lichtbildern bei der polizeilichen Vernehmung identifiziert habe? Ja, mag sein, jetzt sei man sich aber nicht mehr sicher.

Was genau vorgefallen sei? Als zum Schlag mit der Bierflasche ausgeholt wurde, habe man noch hingeschaut, dann den Schlag selbst aber nicht mehr gesehen. Dass es Tritte gegen den Kopf gab – ja, aber da sah man nur die Füße und konnte sie keinem Täter zuordnen. Wie nah stand Ismail N. am Opfer – einen Meter oder waren es 20? „Das weiß ich nicht mehr“, sagt gestern etwa der Azubi.

So geht es seit nunmehr knapp drei Wochen, täglich sieht sich die Kammer mit dem Gedächtnisverlust von Zeugen konfrontiert. Ob sie von irgendwelchen Personen im Vorfeld des Prozesses angesprochen worden seien, fragt der Vorsitzende Richter Axel Knack gebetsmühlenartig. Die Antwort ist stets Kopfschütteln.

Wer vom Vater des Angeklagten K. nach AZ-Informationen in eine Uelzener Kneipe zitiert worden ist, um eine neue Aussage zu unterschreiben, ist der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt.

Auch nicht die näheren Umstände, unter denen es zu diesem Treffen und zu diesen Unterschriften kam. Doch Angst scheint ein permanenter Begleiter zu sein auf dem Zeugenstuhl in Saal 121 des Landgerichts Lüneburg – und auch auf dem Gerichtsflur.

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