Kreisveterinär Dr. Jörg Pfeiffer untersuchte in Kenia Massai-Rinder und Elefanten auf Tuberkulose

Zu Gast bei den wilden Tieren

Den freien Abend nutzt das Team um Kreisveterinär Dr. Jörg Pfeiffer (rechts) für Safari-Touren mit einheimischen Rangern.

In zehn Meter Entfernung trabt gemütlich eine Elefantenherde an der Terrasse vorbei. Auch Löwen schleichen sich neugierig an, die Meerkatzen zeigen sich mutiger: Sie stibitzen Essensreste vom Tisch. Und abends gesellen sich noch Paviane dazu. Uelzens Kreisveterinär Dr.

Jörg Pfeiffer war drei Wochen den wilden Tieren rund um eine Lodge in Kenias Naturschutzgebiet Masai Mara ganz nah. Er hat das Schnauben der Elefanten, das Quieken der Affen, den Geruch der Wildnis und die landschaftliche Weite erlebt. Aber nur Erholung war der Jahresurlaub bei 35 Grad im fernen Afrika für ihn nicht: Pfeiffers Interesse galt vor allem den Tieren.

Für ein außergewöhnliches Forschungsprojekt des Friedrich-Löffler-Instituts hat er seine Safari-Ausrüstung eingepackt und ist zu dem Volk der Massai geflogen. Deren Tieren wurden Blutproben entnommen, die in einem Labor auf Tuberkulose untersucht werden. Wo die Ergebnisse positiv ausfallen, besteht auch eine Ansteckungsgefahr für die Einheimischen, berichtet der Leiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes, der auch schon als Zoo-Tierarzt gearbeitet hat.

Mit vier weiteren deutschen Tierärzten, einem kenianischen Tiermediziner sowie einem ebenfalls einheimischen Laboranten, einer Tiermedizin-Studentin, einem Fahrer, der zugleich Ökologe ist, und einem Koch lebt er in einem Forschungs-Camp des „Kenia Wildlife Service“ und sucht frühmorgens die Dörfer auf, an die Touristen sonst gar nicht herankommen – die Dörfer der Massai. „Wazungu – Weiße“ rufen die Kinder aufgeregt ihren Eltern zu, wenn das Forschungsteam in einem Dorf ankommt. Der einheimische Tierarzt verhandelt mit dem Dorfältesten, bevor die Mediziner mit ihren Untersuchungen beginnen können. In kreisrund eingezäunten Flächen, so genannten Grals, rundherum die Hütten der Massai, stehen nachts die Tiere zusammengepfercht, zum Schutz vor Löwen. Um Rinder kümmern sich die Frauen, die Ziegen werden von Kindern gehütet.

Wenn die Tierärzte zunächst alle kranken Tiere im Dorf behandeln, dürfen sie Proben entnehmen, um ihre Untersuchungen auf Tuberkulose durchzuführen. Die Gespräche führen vor allem die Einheimischen, wenig Englisch sprechen die Massai. Dabei sieht der Uelzener Erkrankungen, die er zuvor noch nie an lebenden Tieren entdeckt hat, nicht einmal während des Studiums, schildert Pfeiffer. „Es gibt dort Seuchen, die hier rigoros bekämpft werden.“ Und vor allem Fälle von Maul- und Klauenseuche und Lungenseuche treten in den Herden auf.

Schließlich werfen die Männer Seile, umschlingen die Beine von Rind, Ziege, Schaf und halten die Tiere fest, bis Pfeiffer Proben entnimmt. Die Ergebnisse: negativ. Bei ähnlichen Untersuchungen des Instituts in Mosambik und Tansania wurden jedoch Fälle von Tuberkulose gefunden. Die erkrankten Tiere dort müssen getötet werden. Denn durch das Trinken der nicht-pasteurisierten Milch können sich die Bewohner infizieren, erklärt der gebürtige Saarländer.

Da die Massai-Rinder tagsüber zum Teil auf denselben Flächen wie die wilden Tiere weiden, entnimmt das Forschungsteam auch von ihnen Proben. Mit einem Narkose-Gewehr zielen Pfeiffer und die Kollegen auf Tiere. So treffen sie etwa zehn Büffel und testen sie negativ, und sogar einen verwundeten Elefanten, den sie finden.

Das Labor des Forschungsteams: ein weißer Plastiktisch in einem der Häuser im Forschungscamp, um das die wilden Tiere streunen, anderthalb Stunden vom nächsten Ort entfernt. Morgens zwischen 6.30 und 9 Uhr sind die Forscher in ihrem Haus mit Strom versorgt, die restliche Zeit über hilft ihnen der vorhandene Kühlschrank nicht weiter. Auf das kenianische Brot streichen sie deshalb Margarine statt Butter. Und es gibt viel Obst, Bananen, Papayas, Mangos und frisches Gemüse. Der Koch bereitet Gerichte mit Pasta, Reis und Kartoffeln zu, dazu meist Lammfleisch. Als ihn einmal die Gäste um Hähnchen bitten, kauft er eines, kocht daraus eine Suppe und zur Überraschung der Deutschen verwendet er den Hahn ganz. Pfeiffers Kollege zieht die Schöpfkelle aus der Flüssigkeit und mit ihr eine Kralle. Schließlich stellt sich heraus, dass auch der gesamte Kopf samt Schnabel, Hahnenkamm und Augen in dem traditionellen Gericht schwimmen. Die erschrockenen Gäste greifen dann doch lieber zu den Nudeln, schildert Pfeiffer und amüsiert sich. Er esse gerne Fleisch, aber da sei ihm dann doch der Appetit auf Hähnchen vergangen.

Während Pfeiffer in Uelzen wieder seiner alltäglichen Arbeit nachgeht, wertet Projektleiter Manfred Tanner vom Friedrich-Löffler-Institut die Ergebnisse aus. Der in Nairobi ausgebildete Tierarzt, der die Verhandlungen in Masai Mara mit den Dorfältesten übernahm, plant nun eine Reise nach Deutschland, um die Ergebnisse vorzustellen – und um sich einmal einen deutschen Zoo anzuschauen.

Von Diane Baatani

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