Fast 1000 Besucher aus der Region besichtigen die Justizvollzugsanstalt Uelzen

Zu Gast bei den Gefangenen

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Wie sieht eine Zelle aus? Die 16-jährige Lara Flint aus Hermannsburg wollte das genauer wissen und hat die JVA besucht. Häftlinge bekamen die Gäste aber ausdrücklich nicht zu sehen.

Uelzen. Die schwere Tür am Haupteingang der Justizvollzugsanstalt (JVA) Uelzen fällt hinter der 16-jährigen Lara Flint ins Schloss. Sie ist eine von fast 1000 Besuchern, die sich gestern zur öffentlichen Besichtigung der JVA in das Gewerbeviertel am Breidenbeck begeben haben.

„,Tag der offenen Tür’ könnte falsche Erwartungen wecken“, sagt ein Besucher und grinst, während er in der Sicherheitsschleuse durchsucht wird. Nicht jeder Gast bringt eine differenzierte Meinung zum Strafvollzug mit, wissen die Mitarbeiter der JVA, die sich auch an diesem Tag mit zahlreichen Vorurteilen auseinanderzusetzen haben. Viele Besucher interessieren sich für die Sicherheitseinrichtungen und fragen offen, warum immer wieder Ausbrüche aus den Gefängnissen gelingen. Sie erhalten an diesem Tag ein Gefühl der Sicherheit.

Blick durch die Tür: Ein Haftraum ist karg ausgestattet.

Lara Flint ist aus Hermannsburg gekommen, weil sie kürzlich auf einer Klassenfahrt nach Berlin ein Stasi-Gefängnis mit seinen unmenschlichen Methoden kennen gelernt hat und nun Vergleiche sucht zum modernen Justizvollzug. Andere wiederum versuchen sich angesichts der mit acht Quadratmetern relativ kleinen Zellen vorzustellen, wie es wäre, auf diesem Raum einige Jahre zuzubringen. „Ein Kinderzimmer muss elf Quadratmeter haben“, denkt Hannah Cordes, Lehrerin aus Lüchow, laut nach. „Dürfen die Insassen denn auch einen Blumentopf aufstellen oder Bilder an die Wände hängen“, fragt sie den Mann vom allgemeinen Vollzugsdienst, wie die uniformierten Mitarbeiter im Behördendeutsch genannt werden. Ein Blumentopf ist erlaubt und Bilder dürfen an Innenwänden angebracht werden, lautet die Antwort. Die „besonders gesicherten Hafträume“ und der „Sicherheitshaftraum“ sind noch wesentlich karger ausgestattet.

Die Werkstätten wurden auch gezeigt.

Knapp unter 200 Inhaftierte sind derzeit in der Uelzener JVA untergebracht. Sie leben und arbeiten dort, erfahren die Besucher, während sie durch die Werkstätten geführt werden. Mit der Herstellung von Metallkonstruktionen, Holzartikeln oder auch Lohnarbeiten für Auftraggeber versucht das Land die Kosten von etwa 100 bis 190 Euro täglich pro Gefängnisinsasse wieder herein zu bekommen. „Etwa drei Mitarbeiter leiten jeweils 20 Häftlinge an“, erklärt Ekkehard Loeper, Leiter vom Fachbereich Arbeit der Gefangenen. Man hört immer so viel über das Leben im Gefängnis, erklärt ein Besucher seine Gründe für den Besuch am Besichtigungstag, „ich wollte mir selber ein konkretes Bild davon verschaffen.“

Besonderes Interesse fordert der Gefangenentransport im eigens dafür konzipierten Bus mit verschließbaren Zellen, die beinahe 30 Gefangene aufnehmen. Dieser Bus fährt an bestimmten Tagen kreuz und quer durch Niedersachsen, um Gefangene zu verlegen oder zu ihren Besuchsterminen zu überstellen.

Eine Bildergalerie finden Sie online unter

Von Angelika Jansen

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