Der ehemalige Oldenstädter Georg Mengele überquert als Mitglied einer Katamaran-Crew den Atlantik

Das ganz große Abenteuer mit 76 Jahren

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Georg Mengele am Ruder der „Sy Fünet“. Auf einem Schiff muss auch mal beim Essen improvisiert werden. Der 76-jährige ehemalige Oldenstädter querte mit dem Katamaran den Atlantik.

Uelzen. 30 Jahre lang schipperte Georg Mengele mehr oder minder gemütlich mit seiner zehn Meter langen Segel-Jacht auf der Ostsee. Mal Dänemark oder Schweden, nach dem Ende der Sowjetunion auch die baltischen Staaten.

Von Travemünde aus stach der Oldenstädter regelmäßig in See. Nach dem Tod seiner Frau, siedelte der Rentner vor knapp drei Jahren an die Trave.

Abwechslung auch für die Delfine: Mitten auf dem Atlantik tauchen sie plötzlich auf und begleiten den Katamaran eine Zeit lang.

Und auf seine alten Skippertage kam das ganz große Abenteuer längsseits: „Seglerkollegen fragten mich, ob ich dabei wäre, einen Katamaran vom französischen Montpellier nach Barbados zu segeln.“ Der Eigner wolle seine „Sy Fünet“ (Feuerritt) vom Mittelmeer in die Karibik verlegen und bräuchte eine Crew, so Mengele. Das 14 Meter lange Schiff mit 136 Quadratmetern Segelfläche sei zu groß, um alleine den Ozean zu meistern. Also schlug der 76-Jährige zu seiner ersten Atlantikquerung ein. „In meinem Alter hat man nicht mehr viel Zeit für solche Touren. Die Chance kriegt man nur einmal“, so der ehemalige Betriebsleiter.

Leinen los am 7. Oktober vergangenen Jahres in Montpellier. Doch bereits im spanischen Malaga machte die „Feuerritt“ ihrem Namen alle Ehre und für den Ex-Oldenstädter war der Törn erst einmal vorbei. In einem Gewittersturm hatte sich der Großbaum vom Mast gelöst, das Segel war eingerissen und Mengele war ins Trapeznetz am Bug geknallt. Knie verdreht, zurück nach Travemünde. Am Ende hatte er noch Glück gehabt. Auf den Kanaren stieg er am Nikolaustag wieder zu. 2843 Seemeilen (5227 Kilometer) Atlantik lagen vor ihm.

Wenige Tage später bekam die sechsköpfige Mannschaft Besuch von einer Orca-Schule. Die Schwertwale beschnupperten geradezu das Boot, berichtet Mengele. „Wir stoppten und verhielten uns ruhig.“ Ein Schwanzflossenschlag, und das Boot wäre sofort leckgeschlagen, weiß der routinierte Skipper.

Der geplante Kurs: An den Kap Verden vorbei und auf die günstigen Passat-Winde hoffen. Über Funk erreichte die Crew die Nachricht, dass ein Tief in Anmarsch sei. „Wir änderten den Kurs auf Süd.“ Dennoch landeten sie in schwerer See. Sechs Meter hohe Wellen umtosten den Katamaran. „Wir mussten mit den beiden Maschinen so steuern, dass wir nicht quer zu den Wellen kommen“, sagt Mengele. Das hätte das Kentern bedeutet. „Die Rettungsinsel hatten wir da immer griffbereit“. Mutterseelenallein auf dem Atlantik. In solchen Situationen habe er sich gefragt, ,warum tust Du dir das eigentlich noch an?’ Aber dann seien ja da auch noch die schönen Tage voller Sonne gewesen. Und; „Am Ende hat immer die Karibik gelockt.“

Am 28. Dezember wurden Mengele und Kollegen im Hafen von Barbados mit Reggae-Musik empfangen.

Von Jens Schopp

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