Bedürftige sollen maximal einen Euro für Angebote zahlen

Futter für den Geist: „Kulturtafel Uelzen“gegründet

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Die Macher der Kulturtafel Uelzen von links nach rechts: Eva Neuls (Initia), Katja Schaefer-Andrae (Projekt-Koordinatorin), Gerard Minnard (Woltersburger Mühle), Hannes Vogt-Krause und Conni Bettlewski (Verein zur Förderung der Kultur im Kreativen Speicher).

Uelzen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, zum einem lebenswerten Leben gehört auch die Möglichkeit, an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen zu können und Kultur zu genießen. Viele Menschen in Uelzen haben wenig Geld und diese Möglichkeit nicht.

Aus diesem Bewusstsein heraus haben mehrere Initiatoren jetzt die „Kulturtafel Uelzen“ gegründet.

Ausgangspunkt der Kulturtafel-Gründung ist das Neue Schauspielhaus. Hier fragte man sich irgendwann, ob man nicht etwas Sinnvolles mit den Karten anstellen könne, die man für Vorstellungen nicht verkauft bekomme. „Dann war uns ganz schnell klar, dass das nicht ausreicht“, berichtet Hannes Vogt-Krause, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher. Dieser betreibt das kleine Theater mit 99 Plätzen.

Vogt-Krause stellt klar: „Wir wollen nicht Restplätze loswerden, sondern allen denen Kulturerlebnisse ermöglichen, die dafür nicht das Geld haben.“ Aus diesem Grund würden künftig bei allen Veranstaltungen im Neuen Schauspielhaus – auch bei potenziell ausverkauften – fünf Karten für die Kulturtafel reserviert. „Bei 20 Euro pro Ticket und zehn Veranstaltungen, für die sich alle Karten verkaufen ließen, kommen 1000 Euro zusammen“, rechnet Vogt-Krause vor. 1000 Euro, die dem kleinen Theater, das ohne Fördermittel wirtschaftet, fehlen werden. Vogt-Krause weiter: „Wir werden das deutlich spüren, aber das ist es uns wert.“ Während die Tafel-Tickets im Neuen Schauspielhaus gar nichts kosten sollen, wird ihr Preis in den anderen beteiligten Einrichtungen bei maximal einem Euro liegen.

Wie die Tafel genau funktioniert, erklärt Gerard Minnard, den man als Vorsitzenden der Tafel Uelzen (Nahrungsmittel für Bedürftige) als Partner ins Boot geholt hat: „Wir haben ein kleines Netzwerk von kulturellen Einrichtungen, die Karten zur Verfügung stellen. Und auf der anderen Seite ein paar Hilfsorganisationen, die in ihrer täglichen Arbeit mit Bedürftigen zu tun haben.“ Die Funktion der Kulturtafel sei es, beide Gruppen miteinander zu verbinden. Dazu stellt Eva Neuls von Initia Medien und Verlag die digitale Schnittstelle in Form eines Online-Buchungssystems zur Verfügung. „Die Organisationen können für die Menschen, die sie betreuen, auf dieser Seite Karten für Veranstaltungen reservieren, die die Anbieter dort einstellen“, erklärt Minnard.

Als gänzlich menschliche und weitere Schnittstelle werden so genannte Paten fungieren. Sie koordinieren den Kontakt zwischen Anbietern und den Organisationen, klären Probleme und werten Erfahrungen aus. Ehrenamtlich zur Verfügung gestellt hat sich dafür unter anderem Conni Bettlewski, Vorstandskollegin von Vogt-Krause.

Bisher nehmen als kulturelle Anbieter an dem Projekt teil: Das Neue Schauspielhaus, der Kulturkreis Uelzen, das Central Theater und das Jahrmarkttheater. Zu den Hilfsorganisationen, die teilnehmen, gehören die Arbeiterwohlfahrt, die Uelzener Tafel, der Jugendmigrationsdienst, der Kinderschutzbund und Amidon – Hilfe für Menschen mit Essstörungen. „Das kann natürlich auf beiden Seiten noch mehr werden, aber wir haben nicht den Anspruch, dass unser Projekt sofort groß wird“, ergänzt Minnard. „Wir fangen am 1. Januar erstmal an – und gucken was passiert!“

Verantwortlich für die Kulturtafel ist der Verein Woltersburger Mühle. Als Koordinatorin und Ansprechpartnerin fungiert Katja Schaefer-Andrae. Interessierte Hilfsorganisation und kulturelle Einrichtungen, aber auch Personen, die sich als Paten in das Projekt einbringen möchten, können sich bei ihr unter (0581) 97 15 70 50 oder per E-Mail melden: info@kulturregion-uelzen.de.

Von Steffen Kahl

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