Die Fans landen beim EM-Spiel Deutschland gegen Italien auf einer Achterbahn der Gefühle

Ein Fußball-Krimi packt Uelzen

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Geschafft: Jonas Hector hat gerade die deutsche Mannschaft ins Halbfinale der Fußball-EM geschossen. Im „Alcatraz“ jubeln nicht nur Christain Carslson (links) und Sebastian Buchholz.

Uelzen. Nach Mitternacht sinkt Jefkaj Avdyl völlig erschöpft und fast ohne Stimme in einen der Stühle vor dem „Alcatraz“. So was habe er in seinem Laden noch nicht erlebt, sagt der Geschäftsführer der Innenstadt-Gastronomie.

Mit dem Erlebnis ist er am Sonnabend in Uelzen nicht alleine. Der schon historisch zu nennende Fußball-Krimi der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gegen Italien hatte die Uelzener gepackt.

Die Uelzener Bahnhofstraße am Samstagabend um kurz nach 21 Uhr: Bis auf die geparkten Autos ist sie wie leergefegt.

Der Reihe nach: Der Himmel ist endlich einigermaßen aufgeklart, als sich die Fans nach 20 Uhr in die Kneipen, ins Kino oder zu privaten Fußballtreffs aufmachen. Dass es kein normales Spiel an diesem Abend werden wird, alle scheinen es zu wissen, man sieht es ihnen förmlich an. Kinobetreiberin Renate Böhm sitzt einigermaßen nervös mit schwarz-rot-goldenen Acessoires geschmückt hinter ihrer Kasse. Rund 120 Menschen wollen das Spiel im Central-Theater verfolgen. Auf einen Ergebnistipp legt sie sich nicht fest. „Wir gewinnen. Das muss reichen.“

Keine Sitzplätze mehr im „Alcatraz“. Die sind unter der Woche alle reserviert worden, sagt Mitarbeiter Suat. „Wir haben bestimmt 100 Leuten absagen müssen.“ In anderen Kneipen in der Innenstadt ist es zu Spielbeginn hingegen nicht ganz so voll. Christian Carlson aus Uelzen und sein Kumpel Sebastian Buchholz aus Bad Bodenteich hatten sich rechtzeitig Plätze gesichert. Sie sind wie viele andere Gäste zuversichtlich. „Die Mannschaft geht gut voran. Es läuft“, urteilen die Freunde zur Halbzeit.

Nach der Pause geraten die Fans in Wallung. Erst recht, als Özil nach etwas mehr als einer Stunde zur Führung trifft. „Uhh. Uhh. Uhh“, hallt es durchs Lokal. Das ist der mittlerweile kultige Schlachtruf der Isländer. Zwölf Minuten später: Totenstille. Strafstoß Italien nach Handspiel Boateng – 1:1.

Trotz Niederlage: Auch Fans der unterlegenen Nationalmannschaft Italiens fahren beim überschaubaren Autokorso mit.

Im Elfmeter-Schießen wechseln sich bei den Fans Jubel und Schockstarre ab. Als Hector final trifft, geht es beinahe über Tische und Bänke. 18 nervenzerfetzende Elfmeter sind geschossen, die Löw-Truppe steht im Halbfinale. Auf der Gudesstraße sind die ersten hupenden Autos zu hören. Die Polizei zeigt am Alten Rathaus Flagge. Bis gegen 1 Uhr kreist ein überschaubarer Autokorso durch die City. Ein paar Dutzend Fans stehen auf der Veerßer Straße. Alles bleibt friedlich, so die Uelzener Polizei.

Von Jens Schopp

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