Von Woche zu Woche

Funkenflug an den Gymnasien

Schüler und Lehrer sitzen auf heißen Kohlen: Wenige Monate bevor in Niedersachsen die Rolle rückwärts zum Abitur nach 13 Jahren (G9) vollführt werden soll, wartet man an den Gymnasien noch immer auf einen verbindlichen Leitfaden vom Kultusministerium für diese Mammutaufgabe.

Und das ausgerechnet jetzt, wo es schon wegen der erhöhten Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte am Gymnasium gewaltig brodelt: Mehrere tausend Schüler haben am Mittwoch in Hannover gegen den Klassenfahrtenboykott ihrer Lehrer demonstriert.

Die Zeichen stehen auf Sturm: Da sind die Pädagogen, die über zu hohe Arbeitsbelastung klagen, die Schüler, denen der Stress gerade genommen werden soll, und dazwischen eine Kultusministerin, die bemüht ist, alles kurzfristig wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Doch allein der Appell, die Klassenfahrten wieder aufzunehmen, ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Es müssen weitere Entscheidungen gefällt werden – und zwar bald. Im ungünstigsten Fall – wenn nämlich die Bestimmungen für die G9-Umstellung weiter auf sich warten lassen –, sind es wieder die Schüler, die unter den Folgen der schnellen Kehrtwende schwer zu tragen haben. Entlastung Fehlanzeige.

Noch immer tappen die Lehrkräfte im Halbdunkeln: Da ist von maximal 30 Wochenstunden die Rede, die die Schüler unterrichtet werden sollen, von speziellen Klassenlehrerstunden und Fördermöglichkeiten, um besonders begabten Jugendlichen das Überspringen eines Jahrgangs zu ermöglichen – wenige Puzzleteile, die zusammen längst kein aussagekräftiges Bild von der Zukunft ergeben. Von der erhoffen sich alle nun vor allem eines: dass endlich Ruhe einkehrt.

Doch sollten tatsächlich alle Kinderkrankheiten der G9-Reform besiegt sein, dann gilt es, bis spätestens 2020 die nächste Hürde zu nehmen: Denn unklar ist derzeit noch, wer den zusätzlichen 13. Jahrgang unterrichten soll. An den Gymnasien im Landkreis Uelzen erwartet man schon jetzt ein „Hauen und Stechen“ um neue Lehrkräfte, die bereit sind, in die ländliche Klein-stadt zu ziehen. An deren Attraktivität zu feilen – das ist wiederum Aufgabe der heimischen Vertreter aus Politik und Rathaus. An allen Fronten müssen also schnellstmöglich Taten folgen. Denn aus glühenden Kohlen kann sich ein Feuer entzünden. Die ersten Funken flogen mit einer Schülerdemonstration am Mittwoch in Hannover.

Von Anna Petersen

Rubriklistenbild: © Bräutigam

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