Die Führungskräfte gehen

Rot sieht der Fahrgastbeirat der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom angesichts des Schwundes an Führungskräften.Archivfoto: dpa

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Nach der Entlassung beider Metronom-Geschäftsführer haben große Teile des übrigen Führungspersonal offenbar kein Vertrauen mehr in die Zukunft der Uelzener Eisenbahngesellschaft: Nach einer internen Mitteilung des Fahrgastbeirates an die Belegschaft hat jetzt mit dem Leiter Vertriebssysteme der mittlerweile vierte Mitarbeiter in verantwortlicher Position die Kündigung eingereicht. Die beiden hinausgeworfenen Geschäftsführer Thomas Hain und Henning Weize mitgerechnet, muss das Unternehmen innerhalb weniger Wochen den Verlust von sechs führenden Mitarbeitern verkraften.

„Geschäftsführer geschasst, Prokurist geflohen Schulungsleiter verduftet, Qualitätsmanagerin woanders und nun der Leiter der Vertriebssysteme: Eine beeindruckende Bilanz, die Interimsgeschäftsführer Wolfgang Birlin nach nur wenigen Wochen vorlegen kann“, schreibt der Fahrgastbeirat in seinem jüngsten Newsletter an die 320 Mitarbeiter. Birlin selbst wollte sich gegenüber der AZ nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der Aderlass trifft die Uelzener Eisenbahn zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Gerade in diesen Monaten wird der Markt in Norddeutschland durch Übernahmeversuche und Streckenausschreibungen neu sondiert, dazu kommt der Umstand, dass Metronom ein eigenes Vertriebssystem mit Schaltern auf den Bahnhöfen und Automaten aufbauen will.

Der Fahrgastbeirat hat wenig Vertrauen, dass Interimsgeschäftsführer Birlin diese Herausforderungen bewältigen wird. „Inzwischen dürfte jedem klar sein, dass er die Metronom mit 160 km/h gegen die Wand fährt“, heißt es in dem Newsletter. Und weiter: „Wäre das nicht im Interesse des einen oder anderen Gesellschafters, hätte man Birlin längst gestoppt.“

Die Gesellschafter hatten auch die Entlassung der beiden Geschäftsführer Hain und Weize, beides Gründungsväter des Metronom, bewirkt – sie waren offenbar zu unbequem geworden. Jetzt habe man statt zweier Eisenbahner als Geschäftsführer einen Banker in dieser Position, stellte der Fahrgast in seinem vorigen Newsletter dazu fest und zeigte sich besorgt, dass der Metronom auf das Niveau von Niedriglohn-Eisenbahnen gezogen werden solle. Eine Einschätzung, die die Belegschaft teilte – 220 der 320 Mitarbeiter hatten einen Brandbrief an Landes- und Bundespolitiker unterzeichnet.

Noch immer ist die Solidarität mit Thomas Hain und Henning Weize offenbar groß: So ist ihr Konterfei bis heute auf der Homepage des Unternehmens unter der Rubrik „Das Team“ zu sehen. Und auch im Kundencenter an der St.-Viti-Straße steht weiter ein Bild der beiden Gründungsväter des Metronom.

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