„Früher wurde ein guter Ruf erarbeitet“

Wohin schwenkt das Pendel für den Metronom?

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Lohnverfall und gar eine Zerschlagung des Unternehmens befürchtete die Metronom-Belegschaft nach der Entlassung beider Geschäftsführer. Und diese Sorge scheint berechtigt – trotz aller gegenteiliger Beteuerungen von Interims-Geschäftsführer Wolfgang Birlin: In einem Interview mit der Tageszeitung taz räumte ein Sprecher des Benex-Konzerns ein, dass die Tarifverträge des Uelzener Eisenbahnunternehmens „selbstverständlich“ neu verhandelt werden müssten. Benex, mit 25,1 Prozent Gesellschafter bei Metronom, ist bekannt für seine Dumpinglöhne.

Derweil ist im neuen Newsletter des Fahrgastbeirates an die Mitarbeiter keineswegs von einer Harmonie im Unternehmen die Rede, die Geschäftsführer Birlin nicht müde zu betonen wird – im Gegenteil. So wird im Newsletter hinterfragt, warum Birlin derzeit viel Geld für Krisenkommunikation ausgebe, obwohl es doch angeblich keine Krise gebe: „In Sachen Krisenkommunikation hat man die Hamburger PR-Fabrik Molthan van Loon engagiert“, informiert der Fahrgastbeirat die Mitglieder. „Nach eigenen Angaben sind das Experten für existenzkritische Situationen.“

Früher habe man sich einen guten Ruf durch harte Arbeit erarbeiten müssen, die Züge mussten pünktlich und sauber sein, das Personal gut geschult, freundlich und motiviert. „Alles Schnee von gestern. Heute geht man zu einer PR-Agentur und kauft sich ein bisschen Reputation“, heißt es im Newsletter weiter. „Dazu benötigt man nicht zwei Eisenbahner als Geschäftsführer, das kann auch ein Banker“ – Interimsgeschäftsführer Wolfgang Birlin kommt von der Dresdner Bank.

Gut geschultes Personal, das einen offenen, selbstbewussten und unkonventionellen Umgang mit den Fahrgästen pflegt – wer in diesen Wochen mit dem Metronom fährt, erlebt andere Fahrgastbetreuer. Denn die müssen mittlerweile genau aufpassen, was sie sagen – in Sachen Metronom-Zukunft haben sie einen Maulkorb bekommen.

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